aubib.de | Blog https://www.aubib.de/blog/ Tue, 07 Dec 2021 02:46:42 +0100 Tue, 07 Dec 2021 02:46:42 +0100 t3extblog extension for TYPO3 Adventskalender (6): Nikolaus oder Nicolaus? #aubib Mon, 06 Dec 2021 05:35:00 +0100 https://www.aubib.de/blog/article/2021/12/06/adventskalender-6-nikolaus-oder-nicolaus/ post-601 https://www.aubib.de/blog/article/2021/12/06/adventskalender-6-nikolaus-oder-nicolaus/ Student/in aubib-Adventskalender 2021 (6) - Here we go again :-) Jeden Tag bis Weihnachten stellen wir eine*n berühmte*n oder auch weniger berühmte*n Bibliothekar*in vor. Adventskalender (6): Nikolaus oder Nicolaus? by Student/in 06-12-21

Categories: Adventskalender Lesestoff

aubib-Adventskalender 2021 (6)

 

Mit dieser Überschrift ist es nun unschwer zu erraten, was die sechs Herren Matz, Mulerius, Hupka, Schroeder, Maillot de la Treille und Vogt wohl gemeinsam haben ...

Alle tragen “Nikolaus” oder “Nicolaus” als Vornamen und alle haben sich – neben anderen Tätigkeiten – vor der Mitte des 19. Jahrhunderts dem Bibliothekswesen gewidmet.

Zugegeben, ich hatte für den heutigen Artikel keine Vorstellung, wie häufig dieser Vorname unter Bibliothekaren verbreitet ist oder war. In der GND sind jedoch viele reale Personen verzeichnet, die diesem schönen Beruf nachgegangen sind.

Kurz vorgestellt sei hier der folgende Nikolaus bzw. Nicolaus (auch deshalb, weil zu dieser Person lizenzfreie Bilder verfügbar sind und weil ich finde, dass der lange Bart durchaus zum Nikolaustag passt;):
 

Nicolaus Mulerius (1564-1630)

(ein niederländischer Astronom, Mathematiker und Mediziner sowie Professor und – für uns natürlich besonders interessant und relevant – Universitätsbibliothekar in Groningen)

Portrait von Nicolaus Mulerius
Portrait von Nicolaus Mulerius

Nicolaus Mulerius wurde unter dem Namen Nicolaas Des Muliers am 1. Weihnachtsfeiertag, dem 25. Dezember 1564 in Brügge geboren. An der Universität Leiden studierte Mulerius erst Philologie, Philosophie und Theologie, später Medizin und Mathematik. Mit 39 Jahren wurde er leitender Arzt in Groningen und 11 Jahre später, also ab 1614, Professor für Medizin und Mathematik an der Universität Groningen. Die Universitätsbibliothek Groningen, die 1615 gegründet wurde, wurde zuallererst und insgesamt sogar zwei Mal von ihm geleitet (in den Jahren von 1619 bis 1621 und von 1626 bis 1630).

Kleine Randnotiz: Gut 150 Jahre später leitete über eine Zeitspanne von 16 Jahren ein zweiter Nikolaus, nämlich Nikolaus Wilhelm Schroeder, die Universitätsbibliothek Groningen, die heute im Übrigen nach der in Leiden die zweitgrößte wissenschaftliche Bibliothek der Niederlande ist.

Und noch ein weiterer Nikolaus spielte im Leben des Nicolaus M. eine Rolle: kein Geringerer als Nikolaus Kopernikus. Denn zu dessen 75. Todestag 1617 publizierte Mulerius eine dritte Auflage von Kopernikus berühmten Werk "De revolutionibus orbium coelestium" ("Über die Umlaufbahnen der Himmelssphären") und der revolutionären Erkenntnis, dass sich die Erde um die eigene Achse und mit den anderen Planeten um die Sonne dreht.

 

Titelseite der 3. Ausgabe von "De revolutionibus orbium coelestium", herausgegeben von Mulerius 1617
Titelseite der 3. Ausgabe von De revolutionibus orbium coelestium

 

Doch dieser Artikel dreht sich schließlich um Nicolaus Mulerius und schließt mit dessen Todestag, dem 5. September 1630, in Groningen.

Wikipedia sagt leider nichts Näheres zum bibliothekarischen Wirken von Mulerius. Zur weiteren Lektüre habe ich dafür im Anschluss auch die Einträge verlinkt, die zu den anderen, oben genannten Bibliothekaren führen.

In diesem Sinne einen schönen Nikolaus mit vielen bibliothekarischen Nikoläusen :)

 

(tf)


Quellen / Lesestoff (aufgerufen am 28.11.2021):


Bildnachweise: Adventskalender: aubib unter Verwendung von Annie Spratt auf Pixabay und Freepik via Flaticon ; Sara Facio, via Wikimedia Commons; Portrait von Nicolaus Mulerius: unknown author, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons; De revolutionibus orbium coelestium: Nicolaus Copernicus, Public domain, via Wikimedia Commons

 

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Adventskalender (5): Der Mann der vielen Errungenschaften #aubib Sun, 05 Dec 2021 08:00:00 +0100 https://www.aubib.de/blog/article/2021/12/05/adventskalender-5-der-mann-der-vielen-errungenschaften/ post-600 https://www.aubib.de/blog/article/2021/12/05/adventskalender-5-der-mann-der-vielen-errungenschaften/ Student/in Adventskalendertürchen Nr. 5 behandelt einen Mann, in dessen Leben es einige einzigartige Errungenschaften gab. Adventskalender (5): Der Mann der vielen Errungenschaften by Student/in 05-12-21

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aubib-Adventskalender 2021 (5)

Der Name Herbert Putnam ist sicherlich einigen, aus dem einen oder anderen Grund, ein Begriff.

Den meisten wird der Name vermutlich etwas in Verbindung mit der Library of Congress Classification (LCC) sagen, die er zusammen mit Charles Cutter ab 1897 entwickelte. Doch das ist nicht alles, was Putnam in seiner Karriere als Bibliothekar vollbracht hat, wie seine Biografie zeigt:

 

George Herbert Putnam wurde am 20.09.1861 als Sohn des Verlegers George Palmer Putnam in New York geboren. Er studierte zunächst Jura an der Columbia University und wurde 1885 als Rechtsanwalt zugelassen. 1886 heiratete er, mit seiner Frau bekam er später zwei Töchter.

Ab 1884 war er zunächst Bibliothekar des Minneapolis Athenaeum, das 1887 in der Minneapolis Public Library aufging. Der geneigte Leser wird sich jetzt sicher fragen: „Aber wurde er nicht 1885 als Rechtsanwalt zugelassen?“ – Stimmt! Seine Tätigkeiten als Bibliothekar und Rechtsanwalt liefen zu dieser Zeit parallel. 1889 wurde er in das Amt des „city librarian of the Minneapolis Public Library“ gewählt, das er bis 1891 innehatte.

Während seiner Zeit in Minneapolis modernisierte Putnam einige der dort angewandten Methoden wie etwa die Katalogisierung und Klassifizierung. Für ihn gab es, laut eines Nachrufs, zwei große Probleme des Bibliotheksmanagements: „one to get the books for the readers, the other to get the readers to the books“1. Er entwickelte das Putnam Classification System, basierend auf der Arbeit von John Edmands, welches seine spätere Arbeit an der Library of Congress Classification beeinflusste. Seine Tätigkeit als Bibliothekar in Minneapolis endete im Jahr 1891 aufgrund gesundheitlicher Probleme seiner Schwiegermutter. Die kommenden Jahre, von 1892 bis 1895, war er als Anwalt in Boston tätig.

 

Seiner Anwaltstätigkeit kehrte er bereits 1895 wieder den Rücken zu, nachdem er zum Bibliotheksdirektor der Boston Public Library ernannt wurde. Auch an dieser Einrichtung machte sich Putnam besonders verdient, so trug er maßgeblich zum Aufbau der dortigen Fotografien-Sammlung bei. Daneben ließ er in der Bibliothek einen extra Raum einrichten, der speziell auf die Anforderungen und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen ausgerichtet war. Dieser Raum war vermutlich der Erste dieser Art an einer der großen Bibliotheken in den USA.


Putnam war Mitglied und 1988 sogar Präsident der American Library Association. Durch seinen Nachfolger in diesem Amt, William Coolidge Lane, wurde er 1899 dem US-Präsidenten als möglicher Kandidat für das Amt des „Librarian of Congress“ der Library of Congress (LoC) in Washington, D.C. vorgeschlagen und schließlich auch ernannt. Wir erinnern uns, die Library of Congress Classification wurde von Putnam und Cutter 1897 erfunden – also zwei Jahre bevor Putnam an der Library of Congress tätig wurde.

 

Ein Foto von Herbert Putnam aus seiner Zeit als Librarian of Congress (1899-1939)

Das Amt des Librarian of Congress wird, bis heute, durch die Ernennung durch den US-Präsidenten besetzt. Früher besaß dieses Amt keine Amtszeitbegrenzung, diese wurde erst 2015 eingeführt (Ernennung auf 10 Jahre mit der Option zur Wiederernennung).

Diesem Umstand, dass die Amtsdauer noch nicht begrenzt war, ist es zu verdanken, dass Herbert Putnam als am längsten amtierender Librarian of Congress in die Geschichte eingegangen ist, seine Amtszeit dauerte von 1899 bis ins Jahr 1939. Daneben war er außerdem der erste erfahrene Bibliothekar in diesem Amt. In den 40 Jahren als 8. Leiter der Library of Congress diente Putnam unter 8 US-Präsidenten.

Library of Congress, heute Thomas Jefferson Gebäude, Washington, D.C. (circa 1902)

Bereits zu Beginn seiner Amtszeit sah sich Putnam mit einer großen Aufgabe konfrontiert: zwei Jahre zuvor, 1897, war das neue Gebäude der Library of Congress, das heutige Thomas Jefferson Building, fertiggestellt worden und die Masse an Materialien der Bibliothek mussten neu organisiert werden. Diese Reorganisation war notwendig, damit die Materialien überhaupt für die Öffentlichkeit zugänglich waren. Diese Neuorganisation wurde in den 1920er Jahren mit großem Erfolg abgeschlossen. Daneben beantragte er im Kongress ein größeres Budget für die LoC, damit diese weiterwachsen konnte. Unter ihm wuchs die Bibliothek stark an (1901 war sie mit über einer Million Medien die größte Bibliothek der USA), was in der letzten Dekade seiner Amtszeit zu administrativen Problemen führte. Schwierigkeiten bereitete auch Putnams autoritärer Führungsstil, der die Arbeit mit ihm und zwischen der LoC und anderen amerikanischen Bibliotheken zuweilen schwierig machte. Nichtsdestotrotz wurde Putnam sehr respektiert, einer seiner Kollegen nannte ihn „the tallest little man in the world“ (John A. Garraty (Hrsg.), Putnam, (George) Herbert, Dictionary of american biography. Supplement Five 1951-1955, New York 1977, S. 555). Neben der Entwicklung der Library of Congress Classification war es sein Verdienst, dass die Bibliothek der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Er schuf das System der Fernleihe (ab 1901), brachte seine Idee einer Universalsammlung für die LoC ein und transformierte in seiner Amtszeit die Bibliothek von einer reinen Kongressbibliothek zu einer großen Nationalbibliothek, die „universal in scope, national in service”2 war, durch die Erweiterung und den Ausbau der Sammlungen, Dienstleistungen und der angewandten Methoden.

Am 1.10.1939 ging Putnam mit dem, von ihm vorgeschlagenen, Titel „Librarian of Congress Emeritus“ in den Ruhestand. Für die nächsten 15 Jahre arbeitete er dennoch regelmäßig in der Library of Congress und bekam 1940 die Ehrenmitgliedschaft der American Library Association verliehen.

Herbert Putnam starb am 14.08.1955 in seinem Haus in Massachusetts im Alter von 93 Jahren. Mit seinem Tod erlosch der Titel des „Librarian of Congress Emeritus“ – er ist also der einzige Bibliothekar, der diesen Titel trug.

 

Der Name Herbert Putnam sollte uns nach diesem Beitrag also allen ein Begriff sein, da er …

  • zusammen mit Charles Cutter die Library of Congress Classification (LCC) erfunden hat.
  • mit seinen 40 Jahren Amtszeit der am längsten amtierende „Librarian of Congress“ ist.
  • der erste erfahrene Bibliothekar im Amt des Librarian of Congress war.
  • der einzige Bibliothekar mit dem Titel „Librarian of Congress Emeritus“ ist.

 

(pp)

 


1 Lewis, H. L.: A Tribute to Dr. Herbert Putnam, Washington: United States Government, 1939, S. 4

2 John Y. Cole: Putnam, Herbert in: American National Biography, 2000.

Bildnachweis:

Herbert Putnam: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Herbert_putnam.jpg (Public Domain) - Unkown author, Public domain, via Wikimedia Commons

Library of Congress: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Library_of_Congress,_Washington,_D.C._-_c._1902.jpg (Public Domain) - William Henry Jackson, Public domain, via Wikimedia Commons

Adventskalender: aubib unter Verwendung von Annie Spratt auf Pixabay und Freepik via Flaticon

 

Literatur und Quellen:

https://www.loc.gov/item/n85185518/herbert-putnam-1861-1955/ (zuletzt aufgerufen am 19.11.2021).

https://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_Putnam (zuletzt aufgerufen am 19.11.2021).

https://en.wikipedia.org/wiki/Herbert_Putnam (zuletzt aufgerufen am 19.11.2021).

John A. Garraty (Hrsg.): Putnam, (George) Herbert, Dictionary of american biography. Supplement Five 1951-1955, New York 1977, S. 554f.

John Y. Cole: Putnam, Herbert in: American National Biography, 2000 https://doi.org/10.1093/anb/9780198606697.article.2000829 (zuletzt aufgerufen am 19.11.2021).

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Adventskalender (4): Don't say that number? - What number? - You know... 2x4! #aubib Sat, 04 Dec 2021 00:00:00 +0100 https://www.aubib.de/blog/article/2021/12/04/adventskalender-4-dont-say-that-number-what-number-you-know-2x4/ post-605 https://www.aubib.de/blog/article/2021/12/04/adventskalender-4-dont-say-that-number-what-number-you-know-2x4/ Student/in aubib-Adventskalender 2021 (1) - Here we go again :-) Jeden Tag bis Weihnachten stellen wir eine*n berühmte*n oder auch weniger berühmte*n Bibliothekar*in vor. Adventskalender (4): Don't say that number? - What number? - You know... 2x4! by Student/in 04-12-21

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aubib Adventskalender 2021-12-04

Dr. Horace Worblehat1

 

Für unseren nächsten Kollegen lassen wir unsere Welt und ihre Probleme hinter uns und blicken auf eine vernünftigere Welt.

Eine fantastische Welt, eine magische Welt. Eine Welt, wie sie sich gehört: Eine Scheibe. Umkreist von Sonne und Mond.

Und warum auch nicht, etwas Eskapismus kann in Zeiten wie diesen durchaus heilsam sein. Oder, wie ein kluger Mann einst schrieb:

In using Escape in this way the critics have chosen the wrong word, and, what is more, they are confusing, not always by sincere error, the Escape of the Prisoner with the Flight of the Deserter.“2

Getragen von vier riesigen Elefanten also, die ihrerseits auf dem Rücken einer gigantischen Schildkröte stehen, schwebt die Scheibenwelt durch den Kosmos. Ab und zu hebt ein Elefant ein Bein um Sonne oder Mond vorbeiziehen zu lassen und ein Regenbogen schillert im endlosen Wasserfall am Rand der Scheibe.

 

Das größte und bedeutendste Institut magischer Forschung und Lehre auf der Scheibenwelt ist ohne jeden Zweifel die unsichtbare Universität. Selbstverständlich verfügt sie auch über eine entsprechend große und bedeutende Sammlung magischer Texte. Die Bibliothek der UU ist ein eindrucksvolles gotisches Gebäude – mit einigen erwähnenswerten Besonderheiten.

Die ältesten Bestände der Bibliothek sind weniger gefährdet, als gefährlich.

Viele Folianten sind angekettet – zum Schutz der Leser. Einige werden in verschlossenen Räumen aufbewahrt – unter Schutzzaubern und hinter bleiverkleideten Wänden. Besucher der Bibliothek führen üblicher Weise Kreide bei sich um zurück zum Ausgang zu finden. Verwandelt sich die Kreide in etwas anderes ist es an der Zeit schleunigst umzukehren.

Insofern wundert es wenig zu erfahren, dass der Bibliothekar der unsichtbaren Universität vor einiger Zeit bei einem magischen Zwischenfall in einen Orang-Utan verwandelt wurde. Verwunderlich eher, dass er es ablehnt in seine ursprüngliche Form zurück verwandelt zu werden.

Er sagt – nun er sagt wenig, außer „Ook!“. Aber ein 200 Pfund Menschenaffe mit einer Spannweite von 2 Metern vermag seinen Vorlieben dennoch Ausdruck zu verleihen. Der für Bananen zum Beispiel.

bemalte Parkbank, Bild "des Bibliothekars"

Jedenfalls scheint er sich an seine neue Form gewöhnt zu haben, ebenso wie die übrigen Mitglieder der Fakultät. Würde man diesen berichten, einen Affen in der Bibliothek gesehen zu haben, würden sie vermutlich den Bibliothekar fragen, ob er davon etwas wüsste. Selbst sein Name ist bei fast allen Kollegen in Vergessenheit geraten, er ist in- und außerhalb der Universität weithin bekannt als „Der Bibliothekar“.

Hohe Körperkraft und Beweglichkeit kommen ihm auch im Umgang mit einer weiteren Besonderheit seiner speziellen Bibliothek zustatten: Ihrer nicht streng euklidischen Geometrie.

Die zugrundeliegende Theorie ist hinlänglich bekannt:

Wissen = Macht, Macht = Energie, Energie/c² = Masse

- und hohe Massendichten krümmen bekanntlich die Raumzeit.

Dadurch -  und in Verbindung mit der hohen magischen Hintergrundstrahlung - wird die Bibliothek der UU zu einem n-dimensionalen Knotenpunkt im sogenannten L-Space, dem Phasenraum aller denkbaren Bibliotheken in Raum und Zeit. Mit einem gewissen Maß an Sicherheit kann sich durch diesen aber nur eine ausgewählte Gruppe eingeweihter Bibliothekare bewegen, eingeschworen auf einen Kodex von drei Regeln:

1. Ruhe in der Bibliothek!

2. Entliehene Bücher sind pünktlich zum Fälligkeitsdatum zurückzugegeben!

3. Es ist streng verboten die Kette von Ursache und Wirkung durcheinander zu bringen!

Mit den Regeln eins und drei nimmt es der Bibliothekar gelegentlich nicht allzu genau, bei der zweiten ist er allerdings unerbittlich.

Ook.

(mst)


1 Pratchett, T., Briggs, S.: The Discworld Companion. London: Gollancz, 1994

2 Tolkien, J.R.R.: On Fairy-Stories. Oxford: Oxford University Press, 1947

Bildnachweis:

Adventskalender: aubib unter Verwendung von Annie Spratt auf Pixabay und Freepik via Flaticon. Parkbank: "bb The Librarian Riverside 9050 Front" by steeljam via creativecommons.org CC BY-NC-ND 2.0.

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Adventskalender (3): la donna universale #aubib Fri, 03 Dec 2021 00:00:00 +0100 https://www.aubib.de/blog/article/2021/12/03/adventskalender-3-la-donna-universale/ post-604 https://www.aubib.de/blog/article/2021/12/03/adventskalender-3-la-donna-universale/ Student/in Adventskalender (3): la donna universale Adventskalender (3): la donna universale by Student/in 03-12-21

Categories: Adventskalender

Ob Angela Daneu Lattanzi in jungen Jahren wohl schon daran dachte, einmal Bibliothekarin zu werden? - Vielleicht. Dass sie Jahre später prägende Figur für das italienische Bibliothekswesen spielen sollte? - Wohl nicht.

Begeisterung hegte die Tochter eines Latein- und Griechischlehrers zunächst einmal für Sprachen und Musik. Daher schrieb sie sich in Rom sowohl für ein Studium der „lettere antiche“ (sinngemäß: klassische Altertumskunde) als auch für ein Cello-Studium ein, wofür sie 1918 nach dem Abitur von Ägypten nach Italien übersiedelte. Denn 1901 geboren und aufgewachsen ist Lattanzi mit ihren zwei Geschwistern in Alexandria, wo ihr Vater an einem italienischsprachigen Gymnasium unterrichtete. Nach ihrem Studium führte sie der Weg über Aufenthalte in Palermo und Neapel zurück nach Rom, wo sie nun Vorlesungen über Musikgeschichte besuchte, später durfte sie über ein Stipendium in Berlin ihre Kenntnisse in Deutsch und Kunstgeschichte vertiefen.
Die letztgenannte Disziplin dürfte wohl ihr Interesse am Alten Buch entfacht haben, denn wenig später bewarb sie sich mit 33 Jahren erfolgreich um eine Stellenausschreibung als Bibliothekarin und widmete ihre Zeit fortan der Erforschung alter Bilderhandschriften – eine Leidenschaft, welche sie zeitlebens nie loslassen sollte.

1937 wurde sie schließlich an die Biblioteca Nazionale in Palermo versetzt, wo sie wenig später wegen des Kriegsausbruchs mit der Auslagerung seltener und wertvoller Bücher in nahegelegene Klöster und Kleinstädte beauftragt wurde. Ab 1943 wurde sie zur „Soprointendente“(‚Aufseherin‘) der Bibliotheken West-Siziliens berufen und leitete in dieser Funktion die Beseitigung der Kriegsschäden. Zudem war sie mit den Ausbau des regionalen und kommunalen Bibliothekswesens betraut, wofür sie sich Anfang der 50er-Jahre aus dem angelsächsischen Raum Inspiration von den „Public Libraries“ holte. Insbesondere die Erfüllung der Wünsche und Bedürfnisse aus Nutzerperspektive waren ihr ein Anliegen und so etablierte sie neben Krankenhausbibliotheken auch Bücherbusse, um abgelegene Ortschaften mit Literatur versorgen zu können. Diese Projekte durfte sie auf dem Internationalen Bibliothekskongress 1955 in Brüssel vorstellen.
Über ihre Tätigkeit als „Soprointendente“ hinaus war Lattanzi auch in anderen Ecken des Bibliothekswesens sehr rührig. So ist ihr die Gründung der italienischsprachigen „Branch Library“ in Toronto zu verdanken, um die italienische Kultur auch im Ausland zu pflegen und bekannt zu machen. Ihre Forschungsarbeit über Handschriften und Buchmalerei in den Beständen sizilianischer Bibliotheken mündete in einen zweibändigen Katalog sowie ein Lehrbuch über die Geschichte der sizilianischen Buchmalerei, heute ein Standardwerk im italienischen Bibliothekswesen.

Nach Ihrer Pensionierung 1965 hatte sie noch für fünf Jahre Lehraufträge in verschiedenen Disziplinen des Bibliothekswesens an der Universität sowie am Staatsarchiv Palermo inne. Auch der Musik blieb sie als Lehrbeauftragte für Musikgeschichte und passionierte Klavierspielerin weiterhin verbunden. Geschätzt wurden ferner ihre Landschaftsbilder als Aquarelle und Ölmalereien, welche zum Teil bis heute im städtischen Kunstmuseum von Palermo zu bewundern sind. In der sizilianischen Hauptstadt verbrachte sie auch ihren Lebensabend, wo sie 1985 im Alter von 83 Jahren verstarb.

[rs]

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Adventskalender (2): Ein schier außergewöhnlicher Vertreter seines Standes #aubib Thu, 02 Dec 2021 08:00:00 +0100 https://www.aubib.de/blog/article/2021/12/02/adventskalender-2-ein-schier-aussergewoehnlicher-vertreter-seines-standes/ post-595 https://www.aubib.de/blog/article/2021/12/02/adventskalender-2-ein-schier-aussergewoehnlicher-vertreter-seines-standes/ Student/in Unser zweites Adventskalendertürchen stellt einen in jeder Hinsicht außergewöhnlichen Vertreter seines Standes vor. Wer und warum das so ist? Lesen Sie selbst! Adventskalender (2): Ein schier außergewöhnlicher Vertreter seines Standes by Student/in 02-12-21

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aubib-Adventskalender 2021 (2)

In unserem zweiten Adventskalendertürchen soll es um einen etwas außergewöhnlichen Vertreter seines Standes gehen: Ajax Penumbra aus Robin Sloans Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra (original: Mr. Penumbra’s 24-hour Bookstore). Jetzt werden Sie sagen: klingt eher nach einem Buchhändler denn nach einem Bibliothekar. Und ich kann Ihnen antworten: ich sagte ja, außergewöhnlich. Mr. Penumbra ist weder so wirklich das eine, noch das andere. Lassen Sie mich nachfolgend erklären, warum.

Ajax Penumbra wurde am 10. Dezember, vermutlich Ende der 1930er / Anfang der 1940er Jahre, in England geboren. Als Sohn eines Dichters und einer Lehrerin war ihm die Liebe zur Literatur praktisch in die Wiege gelegt. Benannt wurde er nach Ajax dem Großen, einem der Haupthelden im Trojanischen Krieg, und anstelle eines Geburtstagsgeschenks überreichten ihm seine Eltern Bücher am Tag des Geburtstags derer Autoren – um nur ein paar Besonderheiten zu nennen. Als Mutter Maria die Stelle einer Schulleiterin in Galesburg, Illinois, angeboten wird, zieht die Familie nach Amerika. Vater Pablo gründet im Lauf seines Lebens zwei literarische Zeitschiften: Migraciones und Interrupciones. Nun wohnhaft in Illinois, schreibt sich Ajax am Galvanic College ein und belegt schon bald den Studiengang Okkulte Literatur. Ajax wird als recht großer, kluger und neugieriger, aber auch zurückhaltender Zeitgenosse beschrieben, der eine Schwäche für klassische Literatur (Shakespeare, Dante, Homer – hier spürt man den Einfluss des Vaters) hat.

Nach dem Grundstudium der Okkulten Literatur beginnt Ajax die Ausbildung im Stab für Neuerwerbungen der Bibliothek des Galvanic College. Im Rahmen dieser erlernt er auch Sprachen wie Griechisch, Latein, Aramäisch, Sanskrit und Protophönizisch. Was zunächst nach einer eher ungewöhnlichen Sprachwahl klingt, ergibt in Anbetracht der Bestände der College-Bibliothek durchaus Sinn. Neben der klassischen, wissenschaftlichen Literatur enthält sie vor allem „einzigartige, unübersetzbare und/oder unerklärbare Bücher“1. „Bücher, die aus Silber und Knochen gemacht sind. Bücher mit blutgetränkten Seiten, im übertragenen wie wörtlichen Sinne. Bücher, die läuten wie Glocken, wenn du sie aus dem Regal nimmst, Bücher, die im Dunkeln leuchten“2. Sie sehen: Ajax ist Bibliothekar. Anfangs. Im Anschluss an seine Ausbildung erhält Ajax eine Stelle als Junior-Assistent für Neuerwerbungen. Seine Aufgabe besteht darin, sehr seltene, sehr alte Bücher überall auf der Welt für den Bestand der Bibliothek des Galvanic College ausfindig zu machen und zu erwerben.

Gleich sein erster Auftrag erweist sich als in diesem Job leider nicht unübliche harte Nuss. Ajax soll das Techne Tycheon (griech. Die Kunst oder das Handwerk der Wahrsagerei), dessen Spur sich 1657 verliert, aufspüren. Auf seiner Reise landet er 1969 unter anderem in San Francisco, in Mr. Al-Asmaris 24-hour Bookstore (kommt Ihnen der Titel bekannt vor?). Doch Mr. Mohammed Al-Asmaris Buchhandlung ist keine gewöhnliche Buchhandlung, nein. Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes außergewöhnlich. Zwar bedienen Mr. Al-Asmari und sein Mitarbeiter Mr. Corvina mit – zugegebenermaßen etwas älterer – belletristischer Literatur auch die Laufkundschaft San Franciscos, doch viel bedeutender ist, was sich im hinteren Teil des Ladens befindet. Späht man hinter den schweren Verkaufstisch, erblickt man gefühlt unendlich in die Höhe strebende Regale mit sehr alten, seltenen Folianten, deren Inhalte nur wenigen Auserwählten bekannt – und verständlich, da verschlüsselt – sind. Dieser wertvolle Bestand ist nur den Mitgliedern der Buchhandlung zugänglich, welche sie keineswegs kaufen. Sie werden ahnen, was jetzt folgt: die Mitglieder von Mr. Al-Asmaris Buchhandlung leihen die Titel aus, auf der Suche sowohl nach deren Entschlüsselung als auch nach dem Code, mit dem die Memoiren des Aldus Pius Manutius verschlüsselt wurden.

Wie in so vielen literarischen Werken gehören ebenjene Mitglieder in Robin Sloans Werk auch einer Geheimgesellschaft an, die glaubt, dass mit der Entschlüsselung des Codes das Ende der Welt einhergeht. Mit Aldus Pius Manutius webt Sloan sogar eine reale historische Figur in die Geschichte ein. Manutius lebte ca. Mitte des 15. Jahrhunderts in Venedig, war Buchdrucker und gestaltete seine eigenen Drucktypen und sein eigenes Buchformat. Er setzte die moderne Technik seiner Zeit zur Erhaltung des Alten (vor allem griechische Manuskripte) ein, ist also eine Verkörperung des in Sloans Werk dargestellten Konflikts zwischen Digital Natives und Digital Immigrants, Bewahrung des Alten und Nutzung des Neuen. Doch hierum soll es in diesem Text nicht gehen.

Was entscheidend ist: Mr. Al-Asmaris Buchhandlung ist sowohl eine Buchhandlung im klassischen Sinne als auch eine Bibliothek. Eben einfach außergewöhnlich. Von dieser außergewöhnlichen Besonderheit und den Geheimnissen, die vielleicht noch im Verborgenen schlummern, angezogen, entschließt sich Ajax Penumbra trotz eines Jobangebots als Senior-Assistent an der Bibliothek des Galvanic College, nach San Francisco zurückzukehren, um Mitglied in Mr. Al-Asmaris Buchhandlung zu werden. Wie der Titel des Hauptwerks bereits verrät, ist Ajax im Laufe seines Lebens nicht nur Mitglied, sondern am Ende auch Inhaber der Buchhandlung und somit zwar irgendwie nach wie vor Bibliothekar und doch auch wieder nicht. Außergewöhnlich.

(ls)


1 s. Robin Sloan: Die unglaubliche Entdeckung des Mr. Penumbra, e-Pub, Karl Blessing Verlag 2014, Seite 14

2 s. Robin Sloan: Die unglaubliche Entdeckung des Mr. Penumbra, e-Pub, Karl Blessing Verlag 2014, Seite 14

Bildnachweis: Adventskalender: aubib unter Verwendung von Annie Spratt auf Pixabay und Freepik via Flaticon ; Sara Facio, via Wikimedia Commons

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Adventskalender (1): Der Bibliothekar von Babel #aubib Wed, 01 Dec 2021 08:00:00 +0100 https://www.aubib.de/blog/article/2021/12/01/adventskalender-1-der-bibliothekar-von-babel/ post-592 https://www.aubib.de/blog/article/2021/12/01/adventskalender-1-der-bibliothekar-von-babel/ Student/in aubib-Adventskalender 2021 (1) - Here we go again :-) Jeden Tag bis Weihnachten stellen wir eine*n berühmte*n oder auch weniger berühmte*n Bibliothekar*in vor. Adventskalender (1): Der Bibliothekar von Babel by Student/in 01-12-21

Categories: Adventskalender Lesestoff

aubib-Adventskalender 2021 (1)

Hier ist er wieder, der aubib-Adventskalender!

Bis Weihnachten stellen wir jeden Tag eine*n Bibliothekar*in vor, mal mehr, mal weniger bekannt, mal echt, mal fiktiv, aber alle höchst interessant ;-)

Los geht's mit niemanden Geringerem als

 

Jorge Luis Borges in der Nationalbibliothek

Jorge Luis Borges (1899-1986)

Er ist einer der größten und einflussreichsten Schriftsteller der Moderne, besonders der spanischsprachigen Literatur. Viele kennen seine "ficciones", Kurzgeschichten, die labyrinthartig oft fantasiereiche Metaphern darstellen. Am bekanntesten ist vielleicht "Die Bibliothek von Babel", aber dazu gleich mehr.

Borges wuchs in Buenos Aires, der Hauptstadt von Argentinien auf. Bibliotheken und Bücher faszinierten ihn schon als Kind, besonders die Hausbibliothek des Vaters, die mehr als 1000 englischsprachige Werke umfasste. Schon in jungen Jahren zog die Familie kreuz und quer durch Europa.

Borges veröffentlichte schon als junger Mann erste Werke und wurde auch ein wenig bekannt, kam aber erst mit 38 Jahren in die Verlegenheit, sich eine "ordentliche" Arbeit suchen zu müssen. Doch er hatte keine Berufsausbildung. So fing er an, als einfacher Mitarbeiter an der Stadtbibliothek von Buenos Aires zu arbeiten, im Arbeiterviertel Almagro Sur. Ein furchtbar schlecht bezahlter Job. Seine Hauptaufgabe: Bücher zu katalogisieren.

Doch schon am zweiten Arbeitstag wurde er von seinen Kollegen beiseite genommen und ihm vorgeworfen, er arbeite zu schnell. Da der Rest der Mannschaft offenbar sehr faul war, solle er nur eine bestimmte Anzahl von Büchern pro Tag katalogisieren, damit die Faulheit der Anderen nicht auffiel. Sie würden sonst alle ihren Job riskieren. Heute natürlich ein undenkbares Szenario ;-)

Borges hielt sich fortan daran, sein Tagespensum schaffte er in der Regel in einer Stunde. Den Rest des Tages verbrachte er damit, Bücher der Bibliothek zu lesen. Das schlechte Arbeitsklima unter Kollegen und die miserable Bezahlung trieben ihn aber in die Depression. Hieraus entstand die Erzählung "Die Bibliothek von Babel", in der es um eine Bibliothek geht, die alle möglichen Bücher der Welt enthält. Jede mögliche Zeichenkombination aller Buchstaben des Alphabets. Die Bibliothek erscheint hier nicht als paradiesische Gegenwelt, sondern als Alptraum, in der sich jeder Besucher hoffnungslos verliert.

Borges nahm im Übrigen in seinen politischen Meinungen kein Blatt vor den Mund - er war überzeugte Antikommunist und Antifaschist - , was ihn letztendlich den Job kostete: Als der Autokrat Juan Péron 1946 in Argentinien an die Macht kam, wurde Borges von den Obrigkeiten zum Marktaufseher für Geflügel und Hasen "befördert" - eine gezielte Demütigung. Borges kündigte, war erstmal arbeitslos und arbeitete dann u.a. als Hochschullehrer weiter.

Als Péron 1955 durch einen Putsch gestürzt wurde, waren Anti-Péronisten plötzlich wieder allseits "beliebt" und so wurde Borges wenige Wochen später zum Direktor der Nationalbibliothek ernannt (die Karriere möchte man auch gerne haben, oder? Vom Katalogisierer einer Stadtteilbibliothek zum Direktor der Nationalbibliothek...). Seine Zeit in der Nationalbibliothek verbrachte er auch übrigens damit, seiner Sekretärin neue Gedichte zu diktieren. Anscheinend war er mit der Leitung der Nationalbibliothek nicht komplett ausgelastet...

Direktor der Nationalbibliothek blieb er dann bis 1973, just bis zu dem Zeitpunkt, als wieder Péron an die Macht kam...

Ein ziemlich außergewöhnliches Bibliothekarsleben, nicht wahr?

(ag)


Literaturtipp: Edwin Williamson: Borges, a life. New York/London: Viking, 2004.

Bildnachweis: Adventskalender: aubib unter Verwendung von Annie Spratt auf Pixabay und Freepik via Flaticon ; Sara Facio, via Wikimedia Commons

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Ein bibliothekarischer Blick auf den Koalitionsvertrag #aubib Tue, 30 Nov 2021 09:11:00 +0100 https://www.aubib.de/blog/article/2021/11/30/ein-bibliothekarischer-blick-auf-den-koalitionsvertrag/ post-602 https://www.aubib.de/blog/article/2021/11/30/ein-bibliothekarischer-blick-auf-den-koalitionsvertrag/ Externe/r Autor/in Ein bibliothekarischer Blick auf den Koalitionsvertrag Ein bibliothekarischer Blick auf den Koalitionsvertrag by Externe/r Autor/in 30-11-21

Categories: Gastbeitrag Bibliotheken | Deutschland

Ende November war es soweit – nach einem lange Zeit unklarem Verhandlungsstand wurde der Koalitionsvertrag 2021 der Parteien SPD,  Die Grünen und FDP präsentiert. An dieser Stelle soll selbstverständlich keine politische Analyse stattfinden, vielmehr soll der Vertrag durch die bibliothekarische Brille begutachtet werden. Was soll sich für Bibliotheken ändern, wo werden sie konkret angesprochen? Konkret geht es um drei Stellen im Papier.

 

Kultur- und Medienpolitik: Kulturförderung

„Wir wollen öffentliche Bibliotheken als dritte Orte stärken und Sonntagsöffnungen ermöglichen.“ (S.122)

Vom dritten Ort wird in Bibliotheken schon seit geraumer Zeit gesprochen, der Ort außerhalb der Konsumgesellschaft, an dem man bedingungslos verweilen kann. Kein Wunder also, dass dieser Begriff auch in den Fokus der Politik rückt, schließlich sind die für die Gesellschaft positiven Aspekte dieses Konzepts nicht abzusprechen. Ambitioniert bleibt das Vorhaben dennoch, schließlich gibt es noch keine genaueren Pläne, vor allem hinsichtlich der Finanzierung: Ein gelungener dritter Ort benötigt schließlich eine entsprechende Ausstattung, zudem für die erstrebten Sonntagsöffnungen wohl zusätzliches Personal – hier bleibt die Umsetzung definitiv mit Spannung zu erwarten.

 

Kultur- und Medienpolitik: Rechtliche Rahmenbedingungen

„Wir wollen faire Rahmenbedingungen beim E-Lending in Bibliotheken. Analoge Spiele sollen im Sammelkatalog der Deutschen Nationalbibliothek benannt werden können.“ (S. 123)

Jegliche rechtliche Aspekte beim E-Lending treiben Bibliothekar:innen schon seit langem in den Wahnsinn. Von daher ist es sehr erfreulich, dass sich genau dieser Problematik im Vertragstext gewidmet wird. Zwar ist es auch hier noch nicht abzusehen, wie die Regelungen am Ende aussehen werden, sicherlich werden es aber Schritte in die richtige Richtung sein.

Der zweite Satz richtet sich hingegen nur an die Kolleg:innen der Deutschen Nationalbibliothek: Die Aufnahme von analogen Spielen in den DNB-Katalog ist eine nette Sache, wenngleich die Erschließungstiefe einen risikobehafteten Faktor darstellen könnte („Wie viele Spielfiguren waren es noch gleich...?“ Hoffentlich liefern hier die Hersteller gut nachnutzbare Daten!).

 

Gute Lebensverhältnisse in Stadt und Land

„Zur Stärkung des Zusammenhalts werden die Investitions- und Sanierungsprogramme im Bereich des Sports und der Kultur (z. B. Sportstätten, Schwimmbäder, Bibliotheken) vereinfacht und aufgestockt. Wir wollen die Förderung an Strukturschwäche ausrichten.“ (S. 128)

Auch diese Passage verspricht viel Positives. Fehlende Gelder oder schwierige und langwierige Antragsverfahren führen vielerorts zum Investitionsstopp, hier darf man wohl optimistisch in die Zukunft blicken. Die Orientierung an Strukturschwäche ist hierbei ein wichtiges Detail.

 

Fazit

Die wenigen, aber wichtigen Erwähnungen von Bibliotheken im Koalitionsvertrag 2021 zeigen eine klare Idee: Hin zum modernen und finanziell gesicherten dritten Ort, an möglichst vielen Standorten, mit guten Rahmenbedingungen für Besucher:innen und Mitarbeitende. Herauszulesen ist dabei ein Fokus auf die Öffentlichen Bibliotheken, die das soziale Leben deutlich mehr beeinflussen als die Wissenschaftlichen Bibliotheken.

Dass das Papier keine genauen Umsetzungen liefern kann war abzusehen, die viel wichtigere Erkenntnis ist jedoch: Die wichtige Rolle der Bibliotheken ist bekannt und eine kontinuierliche Verbesserung wird angestrebt. Dennoch muss es das Ziel bleiben, zukünftig noch mehr Zusprüche aus der Politik zu erhalten, damit das volle Potenzial ausgeschöpft werden kann, das Bibliotheken zweifelsohne haben.

Lukas Burkhardt, FHWS Bibliothek (Kurs 17/20)

 

Bildnachweis: Pixabay

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Bibliotheken und Archäologie - Teil 5: ExcaBook #aubib Thu, 11 Nov 2021 16:00:00 +0100 https://www.aubib.de/blog/article/2021/11/11/bibliotheken-und-archaeologie-teil-5-excabook/ post-593 https://www.aubib.de/blog/article/2021/11/11/bibliotheken-und-archaeologie-teil-5-excabook/ Student/in Bibliotheken und Archäologie: Teil 5 – ExcaBook Bibliotheken und Archäologie - Teil 5: ExcaBook by Student/in 11-11-21

Categories: Bibliotheken und Archäologie

Jede Arbeit hat ein Ergebnis – hoffentlich, denn ansonsten wäre die Arbeit umsonst gewesen. Im Falle einer archäologischen Ausgrabung sind dies zum einen die Funde und – darum soll es in diesem Beitrag gehen – zum anderen all die Listen, Tabellen, Fotos, Fundzettel und andere Erzeugnisse, die das Ausgrabungsteam bis dahin produziert hat: Forschungsdaten, rohe Forschungsdaten.

Ah, ja, Forschungsdaten, zugegeben, ein im Feld selten gehörter Begriff. Doch erzeugen Archäologen viel davon. Die Ausgrabung wird begleitet von einer Reihe von dokumentarischen Arbeiten, die von Tagebüchern (Was wurde wann gemacht, und von wem?), Beschreibungen (Wie sah das aus? Wie verhalten sich die einzelnen Schichten zueinander (Stratigrafie)?), Fotografien (Befund- und Fundfotos) bis hin zu Plänen (meist als CAD-Plan) reichen. Dazu werden Listen geführt und Konkordanzen, damit möglichst jeder Handgriff im Nachhinein nachvollzogen werden kann. Denn wenn die Grabung erst einmal zu Ende ist, ist in der Regel auch der archäologische Untersuchungsgegenstand weg – zerstört, abgearbeitet und weg geschaufelt. Nur die von den Archäologen angefertigte „Doku“ zeugt davon und nur sie kann als Ausgangspunkt zukünftiger Forschung dienen. Der in diesem Zusammenhang oft gehörte Spruch „Was weg ist, ist weg“ trifft zu 100% zu.

Bisher war es aber so, dass jede Firma, ja jeder Archäologe oder Grabungsleiter, diese Daten unterschiedlich erfasst hat. Dies reicht vom Grad der Detailtiefe bis zur Frage ob man analog oder digital arbeitet und ob man nachträglich in irgendeiner Form digitalisiert. Die Folge ist eine sehr geringe Vergleichbarkeit verschiedener Projekte, deren Dokus einmal aus vielen Ordnern Papierformularen besteht, ein andermal aus selbstgestrickten Datenbanken und anlassbezogen angelegten Excel-Sheets (zusätzlich zu den Ordnern). Dementsprechend wird auch die wissenschaftliche Auswertung der Rohdaten erheblich erschwert – insbesondere für Wissenschaftler*innen, die nicht vor Ort waren.

Seit ein paar Jahren versucht man diesem Missstand zu begegnen. Das Projekt ExcaBook wurde ins Leben gerufen, im Rahmen eines größeren Projektes zur Aufbau eines Archäo-Daten-Netzwerkes, in Kooperation des Bayerischen Landesamtes für Denkmalschutz und der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Ziel war es eine Plattform zu schaffen, die Erfassung der Daten im Feld, Hosting und Langzeitarchivierung stemmen kann. Nebeneffekt ist die Standardisierung des Datenmodells über sämtliche Projekte hinweg, in der die Software zum Einsatz kommt. Auf diesem Framework werden eigene Datenbanken („xBooks“ genannte MySQL-Datenbanken) für verschiedene Anwendungsgebiete bereitgestellt. Neben ExcaBook zur Grabungsdokumentation auch OssoBook für zooarchäologische Funde, ArchaeoBook für archäologische Objekte und AnthroBook für anthopologische Funde.

Wie sieht das ganze nun in der Praxis aus? Im Rahmen eines Grabungsprojektes werden die zu erfassenden Objekte, z.B. Ziegelmauern oder andere Befunde, per Eingabemaske in die Datenbank aufgenommen, beispielsweise Maße, Beschaffenheit o.ä. Auch werden sie untereinander in Beziehung gesetzt, z.B. „Schicht A ist unter Schicht B“. Sämtliche Daten werden dann lokal zwischengespeichert, bevor sie dann auf den zentralen Server am LRZ hochgeladen werden. Von dort können sie wieder auf Anwendergeräte gespiegelt werden, etwa auf Zweitrechner auf der Grabung oder im Büro. Konflikte, etwa durch gleichzeitige Bearbeitung desselben Gegenstandes, werden angezeigt und müssen manuell bereinigt werden – einem Datenverlust durch blindes Überschreiben wird so vorgebeugt.

Zwar ist die Verwendung von ExcaBook momentan (2021, nach dem Leitfaden für 2020) noch freiwillig, wird aber empfohlen. Die Hoffnung ist, dass dieses Projekt die Qualität und Homogenität der erfassten archäologischen Forschungsdaten zu verbessern hilft. Eine daraus resultierende Erwartungshaltung könnte bzw. sollte auch auf universitäre Projekte ausstrahlen. Falls die bessere Zugänglichkeit zu einem Anstieg aufbereitender Publikationen führen sollte, ist es durchaus im Bereich des möglichen, dass auch wir Bibliotheken davon tangiert werden.

 

(mb)

 

mb hat in seiner aktiven Zeit bis 2019 ExcaBook selbst verwendet und war sehr angetan davon.

 

Literatur

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Vorgaben zur Dokumentation archäologischer Ausgrabungen in Bayern, 2020, online unter: https://www.blfd.bayern.de/mam/information_und_service/fachanwender/dokuvorgaben_april_2020.pdf (10.11.2021)

Silke Jantos, ExcaBook – Grabungsdatenbank des BlfD, 2018, online unter: https://landesarchaeologen.de/fileadmin/mediamanager/004-Kommissionen/Archaeologie-und-Informationssysteme/Grabungsdoku/V_Jantos_ExcaBook.pdf (10.11.2021)

 

Websites

https://xbook.vetmed.uni-muenchen.de/ (10.11.2021)

 

Bildnachweis

mb

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Keine Angst vor dem Thesaurus #aubib Wed, 03 Nov 2021 16:52:00 +0100 https://www.aubib.de/blog/article/2021/11/03/keine-angst-vor-dem-thesaurus/ post-591 https://www.aubib.de/blog/article/2021/11/03/keine-angst-vor-dem-thesaurus/ Student/in Theo Thesaurus stellt sich vor. Keine Angst vor dem Thesaurus by Student/in 03-11-21

Categories: Studienleben Bibliotheken und Tiere Fachbereich

Theo Thesaurus

Hallo Zusammen,

Mein Name ist Theo Thesaurus und ich bin das neue Kursmaskottchen des Kurses 20/23 (manchmal bin ich auch ein Emotional Support Dino).

Zusammen mit meinem Kurs lerne ich ab jetzt alles was es zum Bibliotheksberuf zu lernen gibt. Und euch werde ich mit auf meine Reise nehmen.

Ich werde den Fachbereich ganz genau unter die Lupe nehmen, komme mit auf Exkursionen und Führungen und wer weiß, vielleicht mache ich auch ein paar Praktikumsbibliotheken unsicher.

 

Aber was ist eigentlich ein Thesaurus?

Meine Familienname kommt aus Griechenland und bei den alten Griechen war der Thesaurus ein Ort zum Einsammeln und Aufbewahren von Schätzen und Weihegaben. Sinngemäß würde man Thesaurus mit Wortschatz übersetzen.

Im Bibliothekarischen Sinne ist ein Thesaurus also eine Zusammenstellung von Begriffen und Benennungen zu einem bestimmten Fachgebiet, welche als Hilfe bei der Recherche verwendet werden können.

 

Ich freue mich jetzt schon auf alles was ich erleben werde und freue mich, wenn ihr mich auf meinen kommenden Abenteuern begleiten werdet.

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Bitte einloggen - wenn der OPAC "down under" geht #aubib Sat, 30 Oct 2021 13:52:00 +0200 https://www.aubib.de/blog/article/2021/10/30/bitte-einloggen-wenn-der-opac-down-under-geht/ post-590 https://www.aubib.de/blog/article/2021/10/30/bitte-einloggen-wenn-der-opac-down-under-geht/ Student/in Der OPAC mehrerer australischer Unibibliotheken ist nur für Uniangehörige zugänglich - bibliografische Daten der Bibliotheken lassen sich damit für Außenstehende nicht mehr ermitteln. Bitte einloggen - wenn der OPAC "down under" geht by Student/in 30-10-21

Categories: Bibliotheken | International

Vor wenigen Tagen hatte ich im Praxismodul in der Erschließungsabteilung ein Buch einer australischen Literaturwissenschaftlerin auf dem Tisch. Schien wohl eine Hochschulschrift zu sein, wenn man dem Vorwort glauben darf. Also schnell recherchieren, wann und wo die Dissertation erfolgte und im Hochschulschriftenvermerk (für ALEPHanten: Feld 520) eintragen. Ein Recherche im OPAC der vermuteten Universität sollte weiterhelfen.

Doch, oh je: Zwar hatte die (in diesem Fall in Frage kommende) australische Deakin University (Melbourne) eine Homepage ihrer Unibibliothek, und dort präsentiert sich auch ein schönes - mittlerweile klassisches - googleartiges Einschlitzsuchfeld für den Katalog. Doch die Ergebnisse der ausgelösten Suche kann man nicht sehen. Stattdessen eine Login-Maske, wo man gebeten wird, sich doch gefälligst per Single-Sign-On mit seinem "Deakin Account" einzuloggen. Gleiches bei der University of Melbourne.

Ein OPAC (englisch für "Online Public Access Catalogue"), dem das "Public Access" fehlt, ist logischerweise nur ein "OC". Es ist das erste Mal, dass mir ein solcher begegnet. Eine Schande, oder? Bibliografische Daten sollten doch für jede*n frei zugänglich sein...

(Bildnachweis: Adelson Raimundo Reis Amaral, via Wikimedia Commmons)

(ag)

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