aubib.de | Blog https://www.aubib.de/blog/ Thu, 02 Apr 2020 04:13:09 +0200 Thu, 02 Apr 2020 04:13:09 +0200 t3extblog extension for TYPO3 Wegen Corona: Bibliothekartag 2020 abgesagt #aubib Wed, 01 Apr 2020 13:17:00 +0200 https://www.aubib.de/blog/article/2020/04/01/wegen-corona-bibliothekartag-2020-abgesagt/ post-494 https://www.aubib.de/blog/article/2020/04/01/wegen-corona-bibliothekartag-2020-abgesagt/ Student/in Die ausrichtenden Verbände BIB und VDB sagen die Tagung nach einigem Zögern ab. Für bereits angemeldete Teilnehmer kommt mit der Absage eine weitere, unangenehme Überraschung... Wegen Corona: Bibliothekartag 2020 abgesagt by Student/in 01-04-20

Categories: Kongress / Tagung

When shall we three meet again ? In thunder, lightning, or in rain ?

Was von einigen schon befürchtet wurde, ist seit heute nun auch offiziell bestätigt: der 109. Deutsche Bibliothekartag wird dieses Jahr nicht stattfinden. Nach einigem Zögern sagten die ausrichtenden Verbände BIB und VDB die Tagung ab.

"Uns ist bewusst, dass diese Entscheidung Enttäuschung auslösen wird", teilten die Veranstalter in einer gemeinsamen E-Mail sowie auf der Webseite des Bibliothekartags mit. Spekulationen um eine mögliche Verschiebung wie auch um eine Art "virtuellen Bibliothekartag" erteilten sie damit ebenfalls eine Absage.

Die bereits geplanten Beiträge der ReferentInnen sollen auf dem OPUS-Server und in den Zeitschriften o-bib und BuB veröffentlicht werden können. Eine schlechte Nachricht für bereits Angemeldete ist im Zuge dessen, dass diese nur einen Teil der bereits bezahlten Anmeldegebühr erstattet bekommen sollen. Dies geht aus der Mitteilung von VDB und BIB hervor:

Da der Kongress infolge höherer Gewalt abgesagt werden muss, können Rückerstattungen der Teilnahmegebühren nur unter Abzug der bereits entstandenen Kosten geleistet werden. Wir unternehmen große Anstrengungen, diesen Abzug gering zu halten. (Stellungnahme der Veranstalter)

Der Bibliothekartag 2020 sollte vom 26.-29. Mai im Congress Centrum von Hannover stattfinden, dabei wurden etwa 4000 TeilnehmerInnen erwartet. Die Absage kommt, nachdem in den vergangenen Wochen bereits andere bibliothekarische Tagungen und Veranstaltungen abgesagt worden waren.

Der Deutsche Bibliothekartag ist die größte und älteste regelmäßig stattfindende Tagung im deutschen Bibliothekswesen. Seit 1900 findet er jedes Jahr an wechselnden Orten statt. Außerhalb der beiden Weltkriege, in denen er nicht stattfand, fiel der Bibliothekartag in seiner 120-jährigen Geschichte bislang nur einmal, nämlich 2003 aus, als Deutschland Gastgeber des IFLA-Weltkongresses war.

Als Ort des beruflichen Austauschs dient der Bibliothekartag der Fortbildung, vernetzt das Bibliothekswesen und macht auf Trends und Neuerungen in der Branche aufmerksam.

(ag)

(Bild: Hannes Grobe, via Wikimedia Commons)

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Hopp Schwiiz #aubib Wed, 01 Apr 2020 13:13:00 +0200 https://www.aubib.de/blog/article/2020/04/01/hopp-schwiiz/ post-495 https://www.aubib.de/blog/article/2020/04/01/hopp-schwiiz/ Student/in Schweiz ist cool Hopp Schwiiz by Student/in 01-04-20

Categories: Praktikum | Europa

Stadtansicht Zürich

Ich dachte immer, dass sich die Schweiz gar nicht so sehr von Deutschland unterscheidet - jedenfalls in den deutschsprachigen Kantonen. In diesem Glauben habe ich mich dann auf den Weg nach Zürich gemacht, an die ETH. Spitzenuniversität, im Ranking zu finden in der TOP 10.

Gerne möchte ich meine Erfahrungen, die ich in zwei Wochen Praktikum gemacht habe, mit euch teilen. Zusammengefasst in vier Dingen, die ich besonders beeindruckend und erwähnenswert finde.

1. Was mich überrascht hat

Bisher habe ich Aleph nur für die Katalogisierung verwendet - für Buchdaten und alles Weitere haben wir ja SISIS. Deshalb war ich sehr überrascht, dass SISIS den Kollegen an der ETH gänzlich unbekannt war. Der Satz "Das kann doch Aleph auch alles!" hat mich sehr erstaunt. Und so konnte ich fast am Ende der praktischen Ausbildung mal wieder etwas zum allerersten Mal machen, nämlich in Aleph Bücher bestellen, Zeitschriften verwalten und Buchdaten anlegen. Es war natürlich schon eine Umstellung, aber es funktioniert gut. Aleph weiß ich auf jeden Fall jetzt mehr zu schätzen.

2. Warum ALMA gerade ein heißes Thema ist

Lange wird es Aleph an der ETH aber nicht mehr geben, denn der Umstieg auf ALMA ist bereits in vollem Gange. Aber das ist nicht die einzige große Änderung, auch die Verbundlandschaft der Schweiz wird komplett umgekrempelt. Zwei Umstiege auf einmal, das ist äußerst personalintensiv und kompliziert. Die IT und die Bibliothekare, die im Metadatenmanagement tätig sind, haben gerade alle Hände voll zu tun. Denn die Qualität von ALMA steht und fällt mit der Qualität der Daten. Bei der Bereinigung und Aufbereitung von Daten durfte ich auch mithelfen. Gar nicht so einfach, tausende Katalogdaten auf einmal zu bearbeiten.

3. Was man mit viel Geld anstellen kann

Dass in der Schweiz das Geld zu Hause ist, hat man schon häufig gehört. Und es stimmt tatsächlich. Während in Deutschland einzelne Springer-Pakete erworben werden, leistet sich die ETH das komplette deutsche und englische Angebot. Was der Spaß kostet, will ich lieber nicht wissen. Davon profitieren natürlich die Studenten der ETH. Die Kehrseite des Ganzen sind aber natürlich extrem hohe Lebenshaltungskosten. Während man in München in den Mensen beim Mittagessen wohl um die 5€ bezahlt, kostet die Mahlzeit in der ETH-Mensa mindestens das doppelte - ohne Getränk. Das Studium in der Schweiz muss man sich also erst mal leisten können. Da ist man dann doch ein bisschen erleichtert, wenn man wieder nach Hause kommt.

4. Warum Deutsch nicht gleich Deutsch ist

Ein Praktikum im deutschsprachigen Ausland klang verlockend, weil wenigstens keine Sprachbarriere vorhanden ist. So schwer zu verstehen kann Schweizerdeutsch ja nicht sein, ist ja schließlich Deutsch. Wie habe ich mich da geirrt: Schwizerdütsch ist verdammt hart! Legen sie damit erst mal los, versteht man nahezu nichts. Den Satz "Ach, Sie verstehen kein Schwizerdütsch!", habe ich häufig gehört. Dankenswerterweise wurde mit mir in Hochdeutsch kommuniziert. Gelernt habe ich aber trotzdem etwas Schwizerdütsch: "Gruezi" ist die formellere Begrüßung und "Hoy" sagt man, wenn man die Person besser kennt.

So viel zu meinen (subjektiven) Eindrücken.

Zürich ist übrigens wunderschön und ein Praktikum an der ETH kann ich nur wärmstens weiterempfehlen! Man wird viel Neues lernen und selbst erfahren, dass sich die Schweiz von Deutschland doch sehr unterscheidet.

 

Jakob Mathy

Eingangshalle der ETH
Eingangshalle der ETH
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Der Kampf gegen die Langeweile #aubib Sun, 29 Mar 2020 11:42:00 +0200 https://www.aubib.de/blog/article/2020/03/29/der-kampf-gegen-die-langeweile/ post-493 https://www.aubib.de/blog/article/2020/03/29/der-kampf-gegen-die-langeweile/ Student/in gähnender Beagle Der Kampf gegen die Langeweile by Student/in 29-03-20

Categories: Lesestoff

gähnender Beagle

Da man in einer so ereignisreichen Zeit zu Hause bleiben soll oder sogar muss und wir nicht möchten, dass unsere Leser der Langeweile verfallen, stellen wir heute eine kleine Auswahl an Internetangeboten vor, mit denen man ein wenig Abwechslung in den Alltag zaubern kann:

[Kleiner Hinweis vorab: Für die Werbung werden wir natürlich nicht bezahlt :) ] 

 

Lust auf ein paar Klassiker? Dann könnte das Projekt Gutenberg-DE das Richtige sein. 

Beim Projekt Gutenberg-DE handelt es sich um die größte deutschsprachige Volltext-Literatursammlung der Welt. Angeboten werden über 10.000 urheberrechtsfreie Werke von über 200 Autoren, die man über seinen Browser kostenlos lesen kann. Egal ob Romane, Essays, Märchen oder Autoren wie Honrore de Balzac, Charles Dickens, Arthur Conan Doyle, Hans Fallada, Gebrüder Grimm oder Mark Twain - das Angebot ist groß und es sollte für jeden etwas dabei sein. 

Die Texte kommen zu einem großen Teil aus einem Gegenleseportal oder werden vom Gutenbergteam selbst digitalisiert. Interessant ist hier ihre Beschreibung einer Buchdigitalisierung "Vom Antiquariat zum E-Text"

Nice-to-know: Dieses Projekt nicht verwechseln mit Project Gutenberg, bei dem man urheberrechtsfreie Bücher als ebooks lesen kann. Dieses Angebot ist aber aufgrund eines Rechtsstreits derzeit in Deutschland nicht verfügbar. 

 

Wer es lieber auf den Punkt gebracht mag und sich im Alltag gerne nebenbei bildet, für den könnte Blinkist interessant sein. 

Hier werden Sachbücher von speziell geschulten Autoren erst gelesen und dann nach einem bestimmten Prinzip zusammengefasst und als Kurztext oder Audiodatei zur Verfügung gestellt. Pro Titel braucht man nur noch ca. 15 Minuten, um die Kernaussagen vermittelt zu bekommen. Man kann aus über 3000 Titeln aus verschiedenen Kategorien wie z.B. Produktivität, Management und Leadership, Wissenschaft, Politik oder Kommunikation und Soft Skills auswählen. 

Von Blinkist gibt es eine kostenpflichtige Version, mit der man pro Tag so viele Bücher lesen/hören kann, wie man möchte. In der kostenlosen Version wird einem pro Tag ein vorgegebenes Buch kostenlos zur Verfügung gestellt. Dies ist eine schöne Möglichkeit, sich auch mal auf neue Dinge einzulassen und zu einem Buch zu greifen, das man selbst vielleicht niemals ausgewählt hätte. 

 

Aber auch die öffentlichen Bibliotheken sind bestens vorbereitet mit den Angebot der kostenlosen Onleihe

Alles was man dafür braucht, ist ein Bibliotheksausweis an einer teilnehmenden Bibliothek und einen Internetzugang. Hier kann man nachsehen, welche Städte bereits eine Onleihe anbieten und über welche Internetseite das ganze abläuft (z.B. Onleihe Niederbayern/Oberpfalz).

Zur Verfügung stehen ebooks, Hörbücher sowie Zeitungen und Zeitschriften, die man je nach Verfügbarkeit digital ausleihen kann. Die genaue Ausgestaltung des Angebots hängt zwar von der jeweiligen Bibliothek ab, die Vielfalt ist aber in jedem Fall groß. Die Medien kann man dann am PC, Smartphone oder eReader herunterladen und lesen. Dafür braucht man sich nur mit den Benutzerdaten seiner öffentlichen Bibliothek einloggen und es kann losgehen. Für diejenigen, die Hilfe benötigen, gibt es mehrere Erklärvideos der Onleihe Akademie. 

 

 

 

 

 

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(Bibliotheks-)Liebe in den Zeiten von Corona - Versuch eines Überblicks #aubib Sat, 21 Mar 2020 15:45:00 +0100 https://www.aubib.de/blog/article/2020/03/21/bibliotheks-liebe-in-den-zeiten-von-corona-versuch-eines-ueberblicks/ post-492 https://www.aubib.de/blog/article/2020/03/21/bibliotheks-liebe-in-den-zeiten-von-corona-versuch-eines-ueberblicks/ Student/in (Bibliotheks-)Liebe in den Zeiten von Corona - Versuch eines Überblicks (Bibliotheks-)Liebe in den Zeiten von Corona - Versuch eines Überblicks by Student/in 21-03-20

Categories: Bibliotheken | International Bibliotheken | Deutschland Fachliches

Noch schnell den Lieblingsroman von Gabriel García Marquez ausleihen, das ist nun kaum noch möglich. Auch die Bibliothekswelt wird von der Coronavirus-Welle überrollt. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind nahezu sämtliche öffentliche und wissenschaftlichen Bibliotheken in den vergangenen zehn Tagen für den Publikumsverkehr geschlossen worden, Orts- und Fernleihe sind nicht mehr möglich, zahlreiche Services wie Anmeldung und Dokumentlieferdienste werden in den meisten Fällen nicht mehr geleistet, Veranstaltungen und Schulungen fallen aus. Die von bibliothekarisch.de initierte Aufstellung aktuell geschlossener Bibliotheken zeigt nur die Spitze des Eisbergs.

Die Bibliotheken der Medizinischen Hochschule Brandenburg scheinen nach einer kurzen Internetrecherche unter den ganz wenigen noch (eingeschränkt) zugänglichen Bibliotheken in Deutschland zu sein – Stand 21. März.

In zahlreichen Ländern Europas und der Welt herrscht ebenfalls teilweise oder vollständig „library shutdown“. Die für nächste Woche geplanten Eröffnungen der Hayden Library der Arizona State University wie auch der neuen Osloer Zentralbibliothek Bjørvika wurden auf unbestimmte Zeit verschoben.

Und jetzt? - Änderungen für NutzerInnen

Viele Bibliotheken begannen unmittelbar nach der Schließung mit organisatorischen und serviceorientierten Änderungen. In der Regel wurden Ausleihen und Bibliotheksausweise automatisch verlängert und Mahngebühren ausgesetzt. Die Universitätsbibliotheken Basel, Bern und Zürich versenden nun ihre Bücher per Post zum reduzierten Tarif von 5 Franken.

Ein weiteres Beispiel bietet die Stadtbibiliothek Aachen: dort wird ein Rechercheservice für SchülerInnen angeboten, die Arbeiten oder Prüfungen vorbereiten müssen und keinen Zugang zu Literatur haben. Mitarbeiter der Bibliothek recherchieren für sie und senden das Ergebnis als Scan oder Link per Mail.

Zudem bewerben viele Bibliotheken unter dem Stichwort „Online geöffnet“ verstärkt den Zugriff auf lizenzierte E-Medien. Dank der Zusammenarbeit mit kulanten Verlagen und verstärkten kurzfristigen Lizenzierungen können gerade im Bereich der wissenschaftlichen Bibliotheken für einen begrenzten Zeitraum mittlerweile auch darüber hinaus mehr E-Books und E-Journals angeboten werden.

Auch die bibliothekarische Fachzeitschrift BuB hat sich entschlossen, die aktuelle Ausgabe kostenlos für Benutzer der entsprechenden Zeitschriften-App anzubieten. Nicht fehlen darf an dieser Stelle natürlich der Hinweis auf unzählige digitale Sammlungen, wie die Deutsche Digitale Bibliothek und die Open Library.

Als Ersatz für nicht mehr mögliche Benutzerschulungen bietet die TIB Hannover täglich ein Webinar für Hochschulangehörige an.

Einige Bibliotheken, wie die Bayerische Staatsbibliothek und die Stadt- und Landesbibliothek Dortmund, sind dazu übergegangen, vorläufige Nutzerausweise (mit E-Medien-Zugang) gegen Zusendung eines Scans des Personalausweises auszustellen.

Und jetzt? - Änderungen für Bibliotheken und BibliothekarInnen

Auch bibliothekarische Fachveranstaltungen, Tagungen und Messen fallen angesichts der Krise aus. Neben der Leipziger Buchmesse, die Mitte März geplant war, wurden auch die LIBER-Jahrestagung 2020 und die OCLC Library Futures Conference abgesagt, die LIDA (Libraries In a Digital Age) 2020 wurde auf 2021 verschoben. Die Open Science Conference, die vor wenigen Tagen in Berlin stattfand, wurde vorzeitig abgebrochen.

Die IFLA hält vorläufig an der Ausrichtung des Weltkongresses im August in Dublin fest, ebenso wie VDB und BIB, die den 109. Deutschen Bibliothekartag nach aktuellem Stand Ende Mai in Hannover stattfinden lassen wollen – auch wenn der Druck auf die Organisatoren steigt.

Derweil üben sich Unterhaltsträger und Direktionen in Geduld und versuchen, so viele Mitarbeiter wie möglich ins Homeoffice zu schicken. Viele Beschäftigte, die Kinder betreuen müssen, sind zudem nun zuhause.

Auf Grund sich abzeichnender starker Einbußen in der Wirtschaft haben Bundes- und Landesregierungen betroffenen Firmen bereits milliardenschwere Unterstützung zugesagt. Welche mittelfristigen Auswirkungen sowohl diese zusätzlichen Ausgaben als auch zu erwartende Steuerausfälle auf die Etats von Bund, Ländern und Kommunen haben werden, ist im Augenblick noch nicht absehbar. Wird sich diese finanzielle Situation auch auf die Etats der von ihnen finanzierten Hochschulen, Landes- und Stadtbibliotheken auswirken, auf ihren Medien- und Personaletat, und wenn ja, wie ? Hier mag im Moment wohl niemand eine Prognose wagen.

(ag)

(Bildnachweis: TeWeBs, via Wikimedia Commons)

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Die Wahrheit findet einen Weg – eine digitale Bibliothek der besonderen Art #aubib Wed, 18 Mar 2020 15:00:00 +0100 https://www.aubib.de/blog/article/2020/03/18/die-wahrheit-findet-einen-weg-eine-digitale-bibliothek-der-besonderen-art/ post-491 https://www.aubib.de/blog/article/2020/03/18/die-wahrheit-findet-einen-weg-eine-digitale-bibliothek-der-besonderen-art/ Student/in Was hat die Pressefreiheit mit dem Videospiel Minecraft zu tun? Die Wahrheit findet einen Weg – eine digitale Bibliothek der besonderen Art by Student/in 18-03-20

Categories: Gedankensprünge

Die Frontseite der Bibliothek (© Reporters sans frontières)

Der Begriff Digitale Bibliothek befindet sich schon lange, angefangen beim Project Gutenberg anno 1971, im Sprachgebrauch innerhalb der Bibliothekslandschaft. Bezeichnet werden damit vor allem online einsehbare Sammlungen von verschiedenen Medien, klassischerweise eBooks oder digitalisierte, urheberrechtsfreie Bücher. Was allerdings, wenn man das Konzept einen Schritt weiterführt, und eine tatsächlich digital begehbare Bibliothek baut und damit die Pressefreiheit unterstützt?

Getan haben dies die Reporter ohne Grenzen aus dem Anlass, dass heutzutage leider noch immer nicht überall auf der Welt freier Journalismus betrieben werden kann. Mit den zunehmenden Möglichkeiten der Publikation im Internet wurden auch entsprechende Zensur- und Gegenmaßnahmen immer drastischer, ein Katz-und-Maus-Spiel, das sogar tödlich enden kann. Wie soll man nun also Zugang zu diesen Texten schaffen, in Ländern, in denen der Staat nahezu alle Aspekte des Lebens kontrolliert? Die unkonventionelle Lösung: Minecraft. Das Massenphänomen und am häufigsten verkaufte Videospiel weltweit zeichnet sich durch seine vom Spieler beliebig manipulierbare Spielwelt aus und erinnert in Grundzügen an das LEGO spielen der Kindheit: Alles besteht aus Blöcken und ich baue, was ich will. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt – genau das haben sich die Reporter ohne Grenzen zunutze gemacht und die Uncensored Library erschaffen. Kurz gesagt: Sie haben in Minecraft (das selbst in den angesprochenen Ländern frei zugänglich ist) eine pompöse Bibliothek gebaut, in der die Texte von ausgewählten, unter Zensur leidenden Autorinnen und Autoren verfügbar gemacht werden. Eine tolle Aktion und eine tolle Bibliothek, die in diesen Corona-geplagten Tagen definitiv einen (virtuellen) Besuch wert ist. Truth finds a way!

LB

Einer der Lesesäle der Bibliothek (© Reporters sans frontières)
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Bücher, Bücher, Musikinstrumente #aubib Sat, 29 Feb 2020 12:49:00 +0100 https://www.aubib.de/blog/article/2020/02/29/buecher-buecher-musikinstrumente/ post-490 https://www.aubib.de/blog/article/2020/02/29/buecher-buecher-musikinstrumente/ Student/in Die St. Cecilia's Hall der University of Edinburgh Bücher, Bücher, Musikinstrumente by Student/in 29-02-20

Categories: Praktikum | Europa

Das wunderbar aufgemachte Museum & die namensgebende Konzerthalle
Auch kuriose Instrumente gibt es zu sehen!

Sonderbestände sind an Bibliotheken (eigentlich) keine Besonderheit. Ob alte Globen, prachtvolle Handschriften oder Erstausgaben mit Widmung – solche Medien können schon einmal vorkommen. Aber Musikinstrumente? Die gibt es in der St Cecilia’s Hall, in der ich während meines Praktikums an der University of Edinburgh kurzzeitig arbeiten durfte, zu sehen!

Um die offensichtlichste Frage zuerst zu beantworten: Nein, die Instrumente darf man nicht ausleihen. Doch wie kamen diese überhaupt in den Bestand der Universitätsbibliothek? Nun, im Grunde genommen gehören sie der Universität selbst, allerdings wurde der UB die Betreuung der „Collections“ anvertraut, weshalb auch die St. Cecilia’s Hall in ihren Zuständigkeitsbereich fällt – namensgebend ist übrigens die auch noch heute genutzte und älteste, dedizierte Konzerthalle Schottlands im Herzen des Gebäudes, das sich – etwas versteckt – im Cowgate befindet. Die Universität wiederum kam durch Schenkungen und die eigene Lehr- und Forschungstätigkeit im Bereich der Musikwissenschaft zu der unglaublichen Sammlung an Instrumenten aus der ganzen Welt (ein Katalog findet sich hier). Der Großteil der ausgestellten Stücke befindet sich zudem in einem herausragenden Zustand, was dem an das Museum angeschlossenen Restaurationslabor zu verdanken ist. Spielen darf man die Instrumente (leider/selbstverständlich) nicht, allerdings stehen Audioaufnahmen von diesen für die Besucher in der Museums-App zur Verfügung (diese enthält auch 3D-Scans der Räumlichkeiten und ist verfügbar für Android- und Apple-Geräte).

Wer nun denkt, dass die Bestände wie reguläre Bücher plump in Regalen präsentiert werden, liegt absolut falsch – das Museum ist wunderbar aufbereitet! Zudem kostet es, wie alle ähnlichen Einrichtungen im Vereinigten Königreich, keinen Eintritt. Ein Besuch sei jedem Edinburgh-Touristen wärmstens ans Herz gelegt!

Lukas Burkhardt, Kurs 2017/20

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Garching II oder Wie man dem Tod durch Zerquetschung entgeht #aubib Sun, 16 Feb 2020 20:00:00 +0100 https://www.aubib.de/blog/article/2020/02/16/garching-ii-oder-wie-man-dem-tod-durch-zerquetschung-entgeht/ post-489 https://www.aubib.de/blog/article/2020/02/16/garching-ii-oder-wie-man-dem-tod-durch-zerquetschung-entgeht/ Student/in Ein Bericht des Kurses 2019/22 aus dem Speichermagazins der Bayerischen Staatsbibliothek. Garching II oder Wie man dem Tod durch Zerquetschung entgeht by Student/in 16-02-20

Categories: Fachliches Führung | Bibliothek

Wer kennt das Problem nicht ? So sehr man auch haushaltet, irgendwann ist der Speicher voll. Und dann bleiben nur zwei Optionen: löschen oder auf eine externe Festplatte auslagern. Auch manche Bibliothek stößt irgendwann in ähnlicher Weise an ihre Grenzen. Die Tilgung von Büchern und anderen Medien aus dem Bestand, das Aussondern, ist bei vielen Bibliotheken zwar eine Option, kommt bei der breiten Öffentlichkeit aber in der Regel nicht so gut an.

Und so gut wie alternativlos ist die „externe Festplatte“ besonders bei Archivbibliotheken, die per Gesetz nicht aussondern dürfen. Auch deswegen besitzt die Bayerische Staatsbibliothek gleich mehrere dieser „externen Festplatten“, die größte davon in Form eines Speichermagazins in Garching bei München, das der Kurs 2019/22 vergangene Woche besuchen durfte. Theo Bauer führte uns durch die Räumlichkeiten und erzählte den angehenden BibliothekarInnen interessante Details aus dem Innenleben des wohl größten Bibliotheksmagazins in Bayern.

Anfang der 1980er Jahre, als der Medienbestand auf über 4,3 Millionen Einheiten angewachsen war und sichtbar wurde, dass das Hauptgebäude in der Ludwigstraße an die Grenze seiner Kapazitäten kam, begannen sich die Planungen zu konkretisieren. Ein erster Bauabschnitt wurde 1986-89 realisiert. Ursprünglich sollte das Magazin Medien von Bibliotheken aus ganz Bayern aufnehmen und auch einen eigenen Lesesaal umfassen, doch diese Pläne wurden schnell geändert, einerseits aus Kostengründen, andererseits weil bald klar war, dass die Staatsbibliothek die Räumlichkeiten ganz allein in Anspruch nehmen musste, um ihren immer weiter wachsenden Buchbestand unterzubringen.

Das erste gebaute Magazin namens Garching I wurde 1989 eröffnet, bot Kapazitäten für 2,6 Millionen Medien und war doch nach sechs Jahren schon voll ! 2005 wurde mit Garching II ein weiterer Bauabschnitt mit Platz für 3,1 Millionen Medien eröffnet, und auch dieser Platz war 2016 verbraucht. Im Moment werden behelfsmäßig Außenlager an anderen Standorten angemietet, um den mittlerweile fast 11 Millionen Medien der Bayerischen Staatsbibliothek ein Zuhause bieten zu können. Der dringend nötige Folgebau Garching III ist leider noch nicht einmal begonnen worden, denn die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam.

Doch zurück zum bereits bestehenden Speichermagazin. Wie uns Herr Bauer erzählte, wird versucht, den zur Verfügung stehenden Platz bestmöglich zu nutzen, besonders durch den Einsatz von Kompaktregalanlagen, also beweglichen Regalen, die ohne Lücken aneinander stehen und bei Bedarf auseinander gefahren werden. Lücken zwischen Regalen entstehen also nur, wenn mal ein Buch entnommen oder zurückgestellt wird. In Garching I werden diese Kompaktregalanlagen elektrisch, in Garching II elektronisch per einfachem Knopfdruck bewegt. Befindet sich beim elektronischen Zusammenfahren noch ein Mensch zwischen den Regalen, kann er dem sicheren Tod durch Zerquetschen nur entgehen, wenn er einer Fußleiste unter den Regalen einen beherzten Tritt gibt, die für diesen Notfall da ist. Wir lernen: Die „Magaziner“ haben entgegen der landläufigen Meinung einen tollkühnen, abenteuerlichen Beruf ;-)

Von Bedeutung ist es, die klimatischen Bedingungen für Bücher und andere Medien konstant und optimal zu halten. Besonders empfindliche Datenträger wie Filmnegative werden in vier Kühlräumen aufbewahrt (bei unserem Besuch zeigte das dortige Thermometer 7,9 Grad an). Doch in den normalen Magazinräumen wird es durch den Klimawandel immer mehr zu einer Herausforderung, die Luftfeuchtigkeit unter 55% und die Temperatur bei maximal 18 Grad zu halten. Mehrere aufeinanderfolgende feuchte Hitzetage im Hochsommer können schnell zum Problem werden. Deswegen werden Temperatur und Luftfeuchtigkeit ständig überwacht.

Abschließend sei erwähnt, dass gehöriger Aufwand nicht nur getrieben wird, um die Medien im günstigsten Fall auf ewig als kulturelles Erbe zu bewahren, sondern auch, damit sie die Benutzer der Staatsbibliothek auch schnell konsultieren können. Zweimal täglich fährt ein hauseigener LKW zwischen den Standorten und dem Hauptgebäude in der Ludwigstraße hin und her, 17 MitarbeiterInnen sammeln die Bestellungen aus dem OPAC, laufen Kilometer um Kilometer durch die Regale, entnehmen Bücher, beladen den LKW, und entnehmen zurückgekommene Bücher, um sie wieder an ihren Platz zu stellen. Dem Nutzer im OPAC wird die garantierte Bereitstellungsfrist von drei Arbeitstagen angezeigt, allerdings ist das logistische Ballett der BSB so gut eingespielt, dass das Buch häufig in günstigen Fällen schon nach wenigen Stunden ausleihfertig bereitliegt.

Wir bedanken uns bei Herrn Bauer für die äußerst interessanten Einblicke und grüßen an dieser Stelle die MitarbeiterInnen des Speichermagazins Garching, die unsichtbar im Hintergrund einen großartigen Service leisten !

(ag)

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Kalte Gassen im Dark Center: unser Ausflug ins LRZ #aubib Wed, 12 Feb 2020 17:00:00 +0100 https://www.aubib.de/blog/article/2020/02/12/kalte-gassen-im-dark-center-unser-ausflug-ins-lrz/ post-488 https://www.aubib.de/blog/article/2020/02/12/kalte-gassen-im-dark-center-unser-ausflug-ins-lrz/ Student/in Unser Ausflug ins LRZ Kalte Gassen im Dark Center: unser Ausflug ins LRZ by Student/in 12-02-20

Categories: Führung

Was passiert eigentlich in einem Hochleistungsrechenzentrum? Diese und andere spannende Fragen wurden uns, dem Kurs 18/21, von Herrn Oesmann und seinen Kollegen beantwortet, als wir eine Führung durch das Leibniz Rechenzentrum bekommen haben. So konnten wir erfahren, dass das LRZ das größte deutsche Hochschulrechenzentrum ist, ohne zu einer Hochschule zu gehören. Es ist der Bayerischen Akademie der Wissenschaften unterstellt, versorgt aber auch die LMU und TU mit ihren Services. Als Dienstleister bietet es u.a. IT-Security, Backup & Archive und vor allem computergestützte Simulationen für Forschung und Wissenschaft an. Der Einsatzbereich dafür ist sehr breit: von Erdbebenforschung über Brustkrebsbehandlung bis hin zu Klimaanlagen in Schnellzügen ist alles dabei.

Nach einer kurzen Sicherheitsbelehrung (Bitte nichts anfassen oder herausziehen! Nicht auf die Kabel pinkeln!) wurden wir in Gruppen durch das Hardwaregebäude geführt. Dieses Gebäude wird auch als Dark Center bezeichnet, weil hier normalerweise nur Maschinen und keine Menschen arbeiten. Beim Betreten der Räume fielen uns direkt die Klebefelder vor den Türen auf: sie sollen den an den Schuhen hereingetragenen Schmutz binden und so die Elektronik schützen. Wir bewunderten u.a. den SuperMUC NG, den derzeit 9.-schnellsten Computer der Welt. Dank technischem Fortschritt verbraucht er viel weniger Ressourcen als seine Vorgänger SuperMUC Phase 1 und 2 (z.B. Platz & Strom) und ist dabei noch leistungsfähiger: er schafft bis zu 27 Billiarden Gleitkommaoperationen pro Sekunde. Wer ihn hoch- oder herunterfahren möchte, muss aber viel Zeit mitbringen: das Herunterfahren dauert etwa 1,5 Stunden; das Hochfahren schlappe 5 bis 6. Da die Hochleistungsrechner der Phase 1 und 2 einerseits viel Abwärme produzieren und andererseits stark gekühlt werden müssen, wurden sogenannte kalte und warme Gassen geschaffen, in denen sich die unterschiedlichen Temperaturen nicht vermischen. Durch eine dieser warmen Gänge durften wir einmal hindurchlaufen und uns von der warmen Abluft anfönen lassen.

Anschließend erfuhren wir auf spielerische Art und Weise, was Visualisierung von Wissenschaft bedeuten kann. So wurde uns die Temperaturverteilung innerhalb der Erdkugel und die Verschiebung der tektonischen Platten anhand einer Simulation gezeigt; wir erkundeten eine virtuelle Rekonstruktion des Kaisersaals der neuen Residenz Bamberg in der CAVE und versuchten Bakterien in einer virtuellen Blutbahn auszuweichen. Bei der CAVE (Computer Aided Visual Environment) handelt es sich um einen würfelförmigen Raum, dessen Wände für 3D-Projektionen genutzt werden und der es somit ermöglicht, virtuelle Räume zu „betreten“. Um sie zu benutzen, muss man sich allerdings erstmal zum „Hirsch“ machen: durch eine spezielle3D-Brille, die einem Hirschgeweih ähnelt, wird man im Raum verortet und die eigenen Bewegungen werden registriert.

Hier ein Einblick in unseren Kampf gegen die Bakterien:

Bibliothekare auf Bazillenjagd
Bibliothekare auf Bazillenjagd
Bibliothekare auf Bazillenjagd
 
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Kuriositäten im Berufsalltag (1) - Katalogisierung #aubib Tue, 11 Feb 2020 10:50:00 +0100 https://www.aubib.de/blog/article/2020/02/11/kuriositaeten-im-berufsalltag-1-katalogisierung/ post-487 https://www.aubib.de/blog/article/2020/02/11/kuriositaeten-im-berufsalltag-1-katalogisierung/ Student/in Die Katalogisierung ist eine der Hauptaufgaben von Bibliothekar*Innen. Manchmal entdeckt man bei dieser Arbeit Kuriositäten, die den Arbeitsalltag erheitern. Hier beschäftigt uns z.B. Hamlets Vater,... Kuriositäten im Berufsalltag (1) - Katalogisierung by Student/in 11-02-20

Categories: Fachliches

Kartenkatalog

Was haben Hamlets Vater, Star Trek, die ISS und J. R. R. Tolkien gemeinsam? Hört sich wie ein schlechter Witz an, nicht?

Wir waren auch erst mal baff, als uns tatsächlich eine Gemeinsamkeit aufgefallen war:
Diese vier Dinge können einem bei der Katalogisierung von Medien unterkommen und deren Behandlung zunächst sehr kurios wirken.

Aber, von vorne:
Für die Besucher*Innen unseres Blogs, die nicht vom Fach sind zunächst einmal kurz, was hinter dem Begriff Katalogisierung eigentlich steckt:
Katalogisierung oder auch Formalerschließung bezeichnet den Vorgang des Nachweises eines Mediums in einem Bibliothekskatalog - man nimmt also Dinge wie Autor*In, Haupttitel und Titelzusatz, Verlagsname, Erscheinungsdatum und noch etliche Dinge mehr auf, um so dem Katalogbenutzer/Bibliotheksbenutzer zu zeigen:
Diese Bibliothek hat folgendes Medium von diesem Urheber in jener Auflage. Klingt simpel und einleuchtend - zunächst.
Doch dahinter steckt ein Regelwerk, nach dem man sich bei der Katalogisierung zu richten hat, damit die Aufnahmen einheitlich sind und so ein Nutzer aus der Bibliothek A auch ein Medium in Bibliothek B findet, da diese nach den gleichen Regeln verzeichnet wurden. Das derzeitig gültige Regelwerk ist RDA (Ressource Deskription and Access), welches internationale Gültigkeit hat (mit ein paar länderspezifischen Eigenheiten).

Und was haben nun Hamlets Vater, Star Trek, die ISS und J. R. R. Tolkien mit diesem ominösen bibliothekarischen Regelwerk zu tun?

Beginnen wir einmal mit Hamlets Vater. Wer kenn ihn nicht - nein, nicht Hamlets Vater...sollte man aber auch kennen... - William Shakespeare! Für die anglophone Welt der größte Schriftsteller aller Zeiten - falls er denn je existiert hat...man hört da so ein paar Gerüchte...;-)
Aber, Spaß bei Seite. Natürlich ist dieses Werk Shakespeares - Hamlet der Prinz von Dänemark - ein Medium, welches einem beim Katalogisieren begegnen kann - nichts Spannendes, eher alltäglich. Doch wie wäre es mit einem Werk von Hamlets Vater, oder über ihn? Nunja, zugegeben, der erste Fall ist schon sehr unwahrscheinlich. Vielleicht, dass sich ein Autor nach ihm benennt und als Pseudonym auftritt. Wahrscheinlicher schon der zweite Fall.
Nichtsdestotrotz erhält dieser Geist eine Eintragung in die GND (Gemeinsame Normdatei) und muss natürlich erfasst werden.
Gut, dass RDA da vorgesorgt hat und eine Regel für die Aufnahme von Geistern parat hält:
RDA 9.2.2: Nachname, Vorname (Geist) ; wahlweise auch mit königlichem Titel, religiösem Titel oder anderen Kennzeichnungen (RDA 9.19.1.2)

Star Trek und J. R. R. Tolkien kann man hier sogar in einen Topf schmeißen, denn bei beiden kann es passieren, dass man ein Medium vorliegen hat, welches in einer Sprache geschrieben ist, welche in den Weken Tolkiens oder in Star Trek gesprochen wird.
Wer kennt denn nicht die berühmten Worte Hamlest (oh, schonwieder der...): "taH pagh taHbe" - "To be, or not to be", hier mal auf klingonisch. Und tatsächlich, wer in einer Suchmaschine seiner Wahl danach sucht, findet kaufbare Exemplare dieses Meisterwerks der Weltliteratur auf klingonisch. Und was kaufbar ist, muss auch in einer Bibliothek vorhanden sein - schon allein wegen dem Pflichtexemplar. Und was in einer Bibliothek vorhanden ist, muss auch katalogisiert werden. Wo ist aber nun dieser Text einzuordnen, gleicht er doch keiner natürlichen Sprache, ist also weder englisch, noch deutsch, sonst etwas Ähnliches.
Gottseidank gibt es aber die ISO-Norm ISO 639 für Sprachencodes. Hier findet sich unter tlh die Abkürzung für tlhlngang-Hol - klingonisch.
Und Tolkien? Nun, der große Meister hat eine ganze Welt erschaffen, mit den unterschiedlichsten Sprachen. Sindarin und Quenya (beides Sprachen der Elben) sind ebenso im ISO-Code verzeichnet: qya und sjn.

Bleibt nur noch die ISS.
Hier handelt es sich um eine Kuriosität, die jedoch schnell einleuchtet. Es gibt in der Katalogisierung nicht nur Personen (tote oder lebendige), die ein Werk veröffentlichen können, sondern auch Institutionen – und nein, wir sprechen hier nicht von den Verlagen.
Es geht um Körperschaften. Körperschaften sind Institutionen, die für ein Werk verantwortlich sind.
Man nehme z.B. die Gesetze eines Staates - nicht der einzelne Politiker oder der "Schreiberling" ist dann der Verfasser dieses Gesetzes, sondern der Staat. Oder man nehme das Jahrbuch einer Hochschule - nicht der Kanzler oder der Präsident oder ein/e Sekretär*In oder anderer Mitarbeiter ist Verfasser des Jahrbuchs, sondern die Hochschule.
So, bestimmt kommt ihr jetzt selbst darauf:
Wenn das Jahrbuch der ISS herausgegeben wird, ist nicht ein Astronaut oder die ESA oder die NASA oder eine andere Weltraumbehörde dafür zuständig, denn schließlich handelt es sich um ein internationales Raumschiff, eine "international space station", weshalb die ISS selbst als Körperschaft Urheber dieses Jahrbuches ist. Deshalb fällt nach RDA Kapitel 11.0 (über die Identifizierung von Körperschaften) auch eine Raumstation oder ein Raumschiff (übrigens auch ein Wasserfahrzeug) unter die Definition von Körperschaft.

Da wir oben über Sprachen redeten, hier zum Abschluss noch eine kleine Anekdote aus der Praxis:
Während meiner Ausbildung hatte ich mal ein Buch aus Stockholm zu katalogisieren. Nach dem ich fertig war, überprüfte mein Vorgesetzter die Aufnahme. Bei der Betrachtung des Titels kam ihm ein Wort „spanisch“ vor (er hatte schon genug nordeuropäische Bücher bearbeitet, um diese Sprachen ansatzweise zu kennen). Als wir dann ein Wörterbuch bemühten, stellten wir fest, dass dieses Wort nicht im Schwedischen existierte...dafür fanden wir es im Norwegischen.

Nun, dies war ein kleiner Einblick in Kuriositäten der bibliothekarischen Arbeit.
Zunächst mag es seltsam anmuten, dass dies so gemacht, vorgeschrieben oder festgelegt wird, aber es kann durchaus Sinn machen und zeigt doch, wie spannend diese Arbeit ist.
Sollte übrigens jemand noch weitere Kuriositäten aus der Katalogisierungspraxis kennen, nur her damit und ab in die Kommentare.
Und sollte jemand einen anderen Bereich ansprechen wollen: Immer nur her mit einem Gastbeitrag! Wir würden uns sehr freuen!

(ab)

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Ideenbibliothek ÖB (2) – Neue Bauten in Europa #aubib Fri, 07 Feb 2020 09:01:00 +0100 https://www.aubib.de/blog/article/2020/02/07/ideenbibliothek-oeb-2-neue-bauten-in-europa/ post-485 https://www.aubib.de/blog/article/2020/02/07/ideenbibliothek-oeb-2-neue-bauten-in-europa/ Student/in Wir hatten uns schon vor einigen Wochen hier mit aktuellen Trends und Ideen in öffentlichen Bibliotheken befasst, wobei unsere Bibliotheken eher damit auskommen müssen, baulich keine großen... Ideenbibliothek ÖB (2) – Neue Bauten in Europa by Student/in 07-02-20

Categories: Bibliotheken | International Gedankensprünge

Wir hatten uns schon vor einigen Wochen hier mit aktuellen Trends und Ideen in öffentlichen Bibliotheken befasst, wobei unsere Bibliotheken eher damit auskommen müssen, baulich keine großen Veränderungen vornehmen zu können. Baut man sich eine öffentliche Bibliothek gleich neu (und stimmt das Geld), ist noch so einiges mehr möglich, wie man in mehreren Ländern Europas beobachten kann.

Die neu erbaute Zentralbibliothek Helsinkis, Oodi (deutsch: „Ode“), beispielsweise wurde von der IFLA zur Bibliothek des Jahres 2019 gewählt (hier eine Präsentation mit vielen Impressionen, vom IFLA Satellite Meeting vom August 2019). Eine Besonderheit hier ist die fast schon kompromisslose Anpassung an die Wünsche und Bedürfnisse der Öffentlichkeit. Man könnte fast sagen, die Bibliothek gehört den Besuchern. Schon vor Beginn des Baus wurde die Helsinkier Bevölkerung nach ihren Wünschen befragt, und versucht, die in ein stimmiges Gesamtkonzept zu bringen. Vieles konnte realisiert werden - von der Sauna mal abgesehen.

In der im November 2018 eröffneten Bibliothek begegnen sich nun Makerspace und AV-Studio fürs Learning by doing, Spielekonsolen, ein Kino, viele Pflanzen und eine öffentliche Küche für Entspannung und Austausch, sowie eine vielfältige bequeme Möblierung. Zwar gibt es auch noch Bücher als Randerscheinung (ca. 100.000), doch der Schwerpunkt liegt auf Partizipation und Aktion: so finden häufig Events statt, die von den Besuchern selbst organisiert werden, vom Sprachkurs bis zum Schachclub. Die Bibliothek stellt nur noch die Räume zur Verfügung, die Bibliothekare sind in den Hintergrund getreten – man hat sie teilweise sogar durch bücherbringende Roboter ersetzt !

In Tilburg (Niederlande) hat man eine ehemalige Lokomotivhalle der holländischen Staatsbahn umgebaut, energetisch saniert, und daraus die LocHal gemacht. In dieser neuartigen Bibliothek im Industrial-Chic-Design steht Partizipation durch Flexibilität im Mittelpunkt. Es steht nicht nur eine Vielfalt an Möbeln und Räumen zur Verfügung, diese können auch selbst flexibel angepasst werden: Als Raumtrenner fungieren Vorhänge, die spontan große und kleine Räume für verschiedene Zwecke wie Events, Vorlesungen, Diskussionen uvm. entstehen lassen können. Ebenso die Möbel: ein langgezogener Arbeitstisch kann verschoben und so zu einer Verlängerung der hauseigenen Bar werden, oder aber zu einer Rednerbühne. In die Treppen hat man teils Sitze eingebaut, so dass diese zu einem Auditorium werden können. Selbst Kinder kommen auf ihre Kosten, sie können nämlich auf Matten liegen, die aussehen wie ein riesiges aufgeschlagenes Buch, und für die Erwachsenen gibt es ein GameLab, ein FoodLab, eine Ausstellung zur Lokalgeschichte (TimeLab), ein DigiLab und ein FutureLab. Bücher und Lesesaal ? Ja, ähm, die sind auch irgendwo… glaub ich.

Als dritte im Bunde sei die neue Osloer Zentralbibliothek Deichman Bjørvika vorgestellt, die Ende März 2020 eröffnet wird. Diese beeindruckt nicht nur durch Rolltreppen und ihr nachhaltiges Baukonzept (als Passivhaus), sondern auch durch eine umfassende Zonierung und Einbeziehung vieler Funktionen: im Eingangsbereich soll es ein Café und ein Kino geben. Daneben in höheren Stockwerken viel Learning by doing mit Makerspace, AV-Studio, Minikino und Theaterbühne, Spieleräume, aber auch Platz für Diskussionen und Veranstaltungen durch Auditorium, Seminarräume sowie ein Speaker‘s Corner. Auch klassische Bibliotheksbenutzer kommen noch auf ihre Kosten durch ein umfangreiches Freihandmagazin und einen Lesesaal ganz oben mit Aussicht über den Oslofjord. Mannigfalte Möblierung je Zone sollen dafür sorgen, dass jeder sein Lieblingsplätzchen findet.

Was kann man als Quintessenz festhalten? Die neuen Bibliotheksbauten beeindrucken vor allem damit, dass sie weit, ja sehr weit, über das hinaus gehen, was man sich als klassische Bibliothek vorstellt. Sie verstehen sich als Zentrum der Gemeinschaft. Sie gehören der Öffentlichkeit, passen sich jederzeit räumlich an ihre Benutzer an, ermöglichen Lernen nicht nur durch Medienbenutzung, sondern auch durch aktive Teilhabe, Diskussionen, Ausprobieren und Selbermachen. Sie sind verspielte Orte, kulturelle Orte, Orte der Begegnung und Orte zum Entspannen. 
Sie sind „idea stores“, Einkaufszentren für Ideen (das spiegelt sich zum Teil metaphernartig wider, durch etwa die eingebauten Rolltreppen in Oslo, oder die Aufstellung der Bücher als eine Art Einkaufsstraße in Tilburg). Man könnte diese neuen Bibliotheken auch als „Super“-Orte bezeichnen, weil sie so viele Funktionen und Möglichkeiten bündeln (mit Ausnahme von sportlichen Aktivitäten, aber warten wir mal ein paar Jahre…).

Welchen Platz nehmen da noch Bibliothekare ein ? Ob sie in den neuen Gebäuden mehr denn je für Informationsvermittlung und Betreuung gebraucht werden, ob sie eher im organisatorischen Hintergrund arbeiten, oder gar nicht mehr richtig gebraucht werden – darauf gibt die Architektur keine Antwort.

(ag)

(Bildnachweise: Vadelmavene, HT-boek, Ssu; alle via Wikimedia Commons)

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