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Hier berichten wir von den großen und kleinen Erlebnissen unserer Ausbildungsreise – von Exkursionen in alte und neue Bibliotheken, von Studienfahrten und Praktika in fernen und nicht ganz so fernen Städten, von Vorträgen, Konferenzen und natürlich dem Studienleben in München.

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Adventskalender (17): Die Zitadellenbibliothek aus "Game of Thrones"

Avatar of Student/in Student/in | 17. Dezember 2023 | Adventskalender



In einer mittelalterlich angehauchten Welt voller feuerspeiender Drachen, blutiger Intrigen und glorreicher Schlachten ragt ein monumentales Bauwerk als strahlendes Symbol des Wissens aus der Dunkelheit empor – strahlend im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Bibliothek der Zitadelle aus der epischen Serie „Game of Thrones“ ist im gigantischen Leuchtturm der Stadt Altsaß untergebracht. Als wäre diese offenkundige Leuchtturm-Anspielung auf  Alexandria und dessen berühmte antike Bibliothek nicht genug, so wird dem Zuschauer aus der Sicht des angehenden Bibliothekars Samwell Tarly die Bedeutung der Zitadelle als Universalbibliothek vor Augen geführt: beim Betreten des inneren Kuppelsaals säumen sich unzählige Büchercodizes und Schriftrollen aus allen Teilen der Kontinente Westeros und Essos an den Wandregalen, die bis in die Höhen des Turmes hinaufreichen und über Treppen an den Fassaden zu erreichen sind.

Allerdings sollte sich der gemeine Nutzer keine allzu großen Hoffnungen machen, auch nur eines der Tausenden von angeketteten Büchern je lesen zu dürfen: wie bei allen Bibliotheken des dunklen Zeitalters sind auch die Bestände der Zitadelle nur einem eingeschränktem Kreis an alphabetisierten Herren in langen, abgetragenen Roben zugänglich, die trotz der Reife ihres Alters die bemerkenswerte Kondition aufbringen, den ganzen Tag lang mit denselben Ketten um den Leib anliegend herumzulaufen, mit welchen sie zugleich ALLE Bücher (!) ihres Bestandes an den Regalen befestigen. Derlei Sicherungsmaßnahmen mögen in einer fiktiven Welt ohne Buchdruck auch nicht verwunderlich sein: in den Scriptorien der Zitadelle tuen sprachgewandte Maester den lieben langen Tag lang nichts anderes, als unter dem Schein des einfallenden Sonnenlichts tonnenweise Schriftgut Zeile für Zeile mittels Federkiel und Tintenfässchen zu kopieren, um so das kulturelle Erbe der Werke für die Nachwelt zu erhalten; in der Hoffnung, diese würde aus den Fehlern ihrer Vorväter lernen und eine von Selbstbewusstsein angeleitete Besonnenheit aus den bewältigten Krisen vergangener Tage schöpfen: Oder, um es mit den eindrucksvoll vorgetragenen Worten des leitenden Erzmaesters Marwyn auszudrücken:

 

Wir sind das Gedächtnis dieser Welt, Samwell Tarly. Ohne uns wären die Menschen kaum besser als Hunde, haben nur die letzte Mahlzeit in Erinnerung und allenfalls die nächste vor Augen. Und verlässt du mal das Haus und schließt die Tür, jaulen sie, als gingest du für immer weg! Als Roberts Rebellion wütete, glaubten die Menschen, das Ende sei nah;  das Ende der Targaryen-Dynastie – wie sollen wir das überleben? Als Aegon Targaryen seinen Blick nach Westen richtete und seine Drachen an den Schwarzwasser schickte – das Ende ist nah, wie sollen wir das überleben? Und tausende Jahre davor – während der langen Nacht – kann man es ihnen nachsehen, dass sie dachten, das Ende sei gekommen, aber das war es nicht! Das war es niemals!“

 

Diese inspirierende Botschaft mag der wissbegierige Samwell Tarly auch schon zuvor verinnerlicht haben, als er sich zu Beginn mit einem Empfehlungsschreiben von der Nachtwache um eine Stelle als Anwärter bewirbt. Doch alle bereits ausgestandenen Gefahren und Abenteuer - alle plündernden Wildlinge, alle kriminellen Abtrünnigen der Nachtwache, ja sogar die monströsen, unsterblichen White Walker - waren NICHTS im Vergleich zu Sams unumstrittenen Endgegner: dem finster dreinblickenden Bibliothekar am Empfangsschalter!

Als hätte man jedwedes traumatische Horror-Erlebnis aus Nutzersicht mit sämtlichen popkulturell verankerten Stereotypen des bibliothekarischen Berufsstandes zu einem großen Ganzen fusioniert, liefert diese Inkarnation des Bösen alles Negative, was man über unsereins zu wissen glaubt: in völliger Unbeweglichkeit am Tisch verharrend und mit beidseitigem Lupengestell in seine Arbeit vertieft, schaut er erst nach überdeutlichem Räuspern Samwells zu diesem hinauf – die Lupe als Röntgenbrille nutzend, um im maximalen Misstrauen die zweifellos finsteren Absichten seines ungebetenen Gastes zu entschleiern. Dabei zeigt er sich sowohl im körperlichen als auch im geistigen Maße extrem unflexibel, indem er Sam zunächst über die halbe Tischlänge beugend die Empfehlung aushändigen lässt und ihn danach auf die Irregularität seines Bewerbungsantrags ohne jedwede Lösungsvorschläge hinweist. Emotionen sucht man in dem Gesichtsausdruck des nicht-blinzelnden Maesters vergebens – außer in dem Moment, in dem er nonchalant auf die geltenden Zulassungsbeschränkungen hinweist, die Sams Familie vom Kreis der potenziellen Nutzerschaft ausschließen:

 

„Kein Zutritt für Frauen und Kinder!!!“

 

Bildquellen:

 

Bild 1 - Zitadellenturm von Altsaß: Screenshot aus der Serie „Game of Thrones” (Staffel 6, Episode 10, 00:27:03)

Bild 2 - Bibliothek von innen: Screenshot aus der Serie „Game of Thrones” (Staffel 6, Episode 10, 00: 27:31)

Bild 3: Der Bibliothekar am Empfangsschalter: Screenshot aus der Serie „Game of Thrones (Staffel 6, Episode 10, 00:30:05)

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