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Hier berichten wir von den großen und kleinen Erlebnissen unserer Ausbildungsreise – von Exkursionen in alte und neue Bibliotheken, von Studienfahrten und Praktika in fernen und nicht ganz so fernen Städten, von Vorträgen, Konferenzen und natürlich dem Studienleben in München.

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Wir sind TREND: Librariancore

Avatar of Student/in Student/in | 14. Januar 2024 | Gedankensprünge, Studienleben



Anfang Januar hat die VOGUE einen Artikel veröffentlicht, in dem Librariancore als Modetrend 2024 betitelt wird. Der Untertitel lautet: „Wie Bibliothekarinnen 2024 die neuen Stilikonen werden“1. Das schmeichelt unserer Berufsgruppe natürlich erst mal, doch wirft genauso viele Fragen auf. Liest man den Titel und den Artikel aufmerksam durch, dann wird einem schnell klar, dass die Rede hier wirklich NUR von weiblichen Personen ist. Schade eigentlich…

Was versteht die VOGUE unter Librariancore? Zwar wird dieser Trend von dem klischeehaften Kleidungsstil von Bibliothekarinnen inspiriert, kombiniert diesen aber mit „Pieces, die als cool und modern angesehen werden“2. Okay…, da stellt sich mir sofort die Frage, was genau gerade cool und modern ist, denn ich würde behaupten, dass die wenigsten von uns sich genauestens mit den aktuellen Modetrends befassen. Doch da schafft der Artikel sofort Abhilfe. „Key-Pieces“ sind schmale Lesebrillen, Kniestrümpfe, Pullunder und Loafer. Vorgemacht hat das die Marke Miu Miu auf der Fashion Week im Herbst 2023. Hier waren die Models mit Brillen, Twin-Sets, Kitten Heels (nein, das hat nichts mit Kätzchen zu tun), Wollpullis und Bleistiftröcken ausgestattet. Hoffentlich bin ich nicht die einzige Bibliothekarin, der sich bei dieser Aufzählung die Zehennägel hochbiegen.

Librariancore ist anscheinend angelehnt das „sexualisierte Klischee der ‚verführerischen Bibliothekarin‘"3 und verbindet die „typischen Kleidungstücke des Berufsbilds […] mit besonders femininen Silhouetten und modernen Details“4. Also Ladies und Gents: ab jetzt nur noch Bleistiftröcke, Stöckelschuhe und Cardigans. Und ja nicht vergessen: die „kleine, elegante Handtasche.“5

 

Statt Kniestrümpfen tragen wir am Fachbereich lieber bunte Socken.

 

Mit dieser Definition und den Key-Pieces im Hinterkopf schaue ich mich nun am Fachbereich um. Schmale Lesebrillen? Zwar gibt es auffallend viele Studierende mit Brille, aber die Form eben dieser passt leider nicht zum Trend. Außerdem brauchen die meisten die Brille, um auch wirklich scharf zu sehen. Es würde sich hier eine Studie zum Zusammenhang zwischen Beruf und Sehkraft anbieten. Twin-Sets oder Bleistiftröcke? Habe ich in den anderthalb Jahren nicht einmal gesehen. Kleider oder Röcke im Allgemeinen natürlich schon, aber nicht diese beiden „Essentials“. Kitten-Heels oder Loafer am besten noch mit Kniestrümpfen? Hmmm, auch das kommt mir nicht bekannt vor. Allerdings gibt ein paar Leute, die gerne mal bunte Socken tragen, zählt das auch? Mit Pullundern und Wollpullis können wir allerdings dienen. Gerade im Winter sind diese bei uns im Fachbereich täglich vertreten.

Durch diese „Überprüfung“ des Fachbereich-Stils lässt sich feststellen, dass wir wohl laut der VOGUE hoffnungslos stillos sind. Auf jeden Fall können wir als angehende Bibliothekar*innen nicht als Vorbilder für Librariancore dienen. Doch warum sollte eine Zeitschrift bestimmen, was genau die wichtigsten Features des Trends sind? Warum können wir das nicht selbst entscheiden?

Wie hätte Librariancore auszusehen, wenn die Studierenden unseres Fachbereichs die Stilikonen wären? Fangen wir doch mit den Männern an, da diese im VOGUE-Artikel komplett ignoriert wurden. Zwar sind sie bei uns in der Unterzahl, aber Stil gibt es unter ihnen nur zu Genüge. Ich denke da an bunte Hemden, Fischkrawatten, Lederhandschuhe, Clark-Hüte und Schiebermützen. Die Stile betiteln die Studenten mit „Bad Old Times“, „Frischer Fang“ und „PET-Core“, was für Perpetual Edgy Teenager-Core steht. Letzteres ist ein „Kleidungsstil für Leute, die trotz langjähriger Volljährigkeit nicht erwachsen werden wollen und deren Hauptkriterium bei der Kleiderauswahl die potenziell höchste Frustration ihrer Erziehungsberechtigter beim Anblick der Textilien ist."6

 

Frischer Fang: Lässige Hemden und fischige Krawatten.
PET-Core: Da seufzt die erziehungsberechtige Person laut auf.
Bad Old Times: Mit Handschuhen, Hut und Schwert.

 

Auch mit Jeans und Hoodie (bevorzugt mit Rückenaufdruck) ist man gut gekleidet – das gilt für Männer wie auch für Frauen. Im Allgemeinen bevorzugen wir Sneaker und Stiefel und viele lieben immer noch skinny Jeans (die, so wurde mir gesagt, schon seit Jahren wieder out sind). T-Shirts in bunten Farben, mit oder ohne Aufdruck oder auch mal ganz in Schwarz sowie Kleider und Röcke in allen Längen und Mustern sind zahlreich vertreten. Ab und zu sieht man auch mal ein Cardigan, aber dann entweder in Bunt oder weil es zu kalt für nur ein T-Shirt ist. Der meistgetragendste Stil am Fachbereich fällt eindeutig unter „Cosy Casual“, da der Wohlfühlfaktor immer noch das Hauptkriterium bei der Kleiderwahl ist.

 

Cosy Casual: Hoodie, Weste und Jeans - 10/10.
Cosy Casual: Ein bedrucktes T-Shirt ist Key-Piece.

 

Zwischen den Leuten, die es gerne gemütlich haben, finden sich auch Outfits mit klaren „Stilvorhaben“. Ganz in Keith Haring Prints gekleidet? Kein Problem. Im Frühsommer in Gedanken auf Santorin mit einem Aperol in der Hand? Auch das kriegen wir hin. Casual but make it Gothic? Sign us up! Hippie-Hexen von der hellen und dunklen Seite der Macht? Auch diese können im Fachbereich angetroffen werden. Last but not least, die Mischung aus „cozy cottage core“ mit einem Hauch „dark academia“? Können wir.

 

Keith Haring von Kopf bis Fuß.
Santorini Calling: Luftige Sommerkleider und bunte Prints.
Casual Gothic: Wohlfühlfaktor mit schwarzer Seele.
Dark Hippie Witch: Gemütlich aber gefährlich.
Light Hippie Witch: Nach dem Unterricht gehts zum Gärtnern.
Cottage Core meets Dark Academia hat einfach Stil.

 

Die Stile der (angehenden) Bibliothekar*innen sind so unterschiedlich wie die Menschen an sich. Wir tragen das, worauf wir Lust haben und worin wir uns wohlfühlen und das macht uns nicht zu schlechteren Vertreter*innen unserer Berufsgruppe. Natürlich sind auch bei uns ein paar „cores“ vertreten, doch mit Librariancore können wir leider nicht dienen. Und wer möchte schon gerne als „sexualisiertes Klischee“ rumlaufen? Ich denke niemand. Dann doch lieber Jeans und Hoodie.

ir


Quellen: 

1-5: Özkalgay, Irem. „Librariancore: Wie Bibliothekarinnen 2024 die neuen Stilikonen warden.“ VOGUE Germany, 04. Januar 2024, https://www.vogue.de/artikel/librariancore-trend-2024. Zuletzt aufgerufen am 14.01.2024

6: Der Autor des Zitats möchte gerne anonym bleiben.

Meinungen?

3 Kommentar(e)

php |

01. Februar 2024

endlich mal ein fundierter Artikel zum Thema; bei dieser beeindruckenden Feldstudie kann die VOGUE einpacken (:


AV |

16. Januar 2024

Klasse Artikel! :D


librariancore who? |

16. Januar 2024

lieb ich!