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Berühmte Bibliothekare – Casanova

Avatar of Student/in Student/in | 14. Mai 2020 | Bibliotheken | International, Lesestoff



Auf die Frage: „Kennen Sie einen berühmten Bibliothekar?“ werden wohl die wenigsten Menschen spontan mit „Casanova“ antworten. Dennoch hat diese schillernde Persönlichkeit des galanten Zeitalters neben vielen anderen auch diesen Beruf ausgeübt. Der Lebenslauf des berüchtigten Venezianers ist ebenso bunt, wie die ihm zugeschriebene chronique scandaleuse an diversen Liebschaften in ganz Europa – ein Topos, den er selbst in seinen 1793 vollendeten Memoiren ausgiebig pflegt. Geboren wurde Giacomo Casanova am 02. April 1725 in Venedig, als Sohn eines Schauspielerpaares, wuchs allerdings nach dem frühen Tod des Vaters bei seiner Großmutter ebenda auf. Zunächst schlug der junge Giacomo auf Bitten seiner Großmutter eine Laufbahn als Kleriker ein, und erwarb mit 17 Jahren den Grad eines Doktors beiderlei Rechte an der Universität Padua. Über die Niederen Weihen kam er jedoch nicht hinaus - wahrscheinlich schien ihm die Aussicht auf den Pflichtzölibat nicht besonders verlockend. Mit Hilfe einer vorgetäuschten Ohnmacht auf der Kanzel entkam er diesem Schicksal, brachte es aber dennoch bis zum Apostolischen Protonotar extra urbem und zum Ritter vom Goldenen Sporn, und das nur aufgrund seines Unterhaltungstalents: Papst Clemens XIII. war bei einer Audienz in Rom derart beeindruckt von Casanova, dass er ihn mit diesen Ehren überschüttete; von Stund an nannte sich der Venezianer Cavaliere, passend zu seinem jetzt ritterlichen Rang.  Im Jahre 1753 kehrte er nach Venedig zurück, wo er unter anderem als Fähnrich und Orchestergeiger tätig war. Das wohl spektakulärste Ereignis in seinem Leben ereignete sich 1755, als er aus bis heute ungeklärten Gründen von der venezianischen Staatsinquisition wegen „Schmähung gegen die Heilige Religion“ verhaftet und in die berühmt-berüchtigten „Bleikammern“ geworfen wurde. Es handelt sich hierbei um Gefängniszellen unter dem Bleidach des Dogenpalastes – bei italienischer Sommerhitze sicher kein schöner Aufenthalt. Also entzog sich Casanova dieser unfreiwilligen Unterbringung auf Staatskosten nach fünfzehn Monaten durch eine spektakuläre Flucht. Unruhige Wanderjahre durch ganz Europa schlossen sich an: von Paris bis Sankt Petersburg und von Madrid bis Potsdam war Casanova an allen wichtigen Höfen und in allen vornehmen Salons zu finden, wo er unter anderem die französische Staatslotterie mit entwickelte und sich als Zauberer ausgab. Nach erfolgter Begnadigung kehrte er 1774 in seine Geburtsstadt zurück – seinen Lebensunterhalt verdiente er jetzt als Spitzel für die venezianische Inquisition, schließlich kannte er diese aus eigener Erfahrung besonders gut. Aufgrund von ehrenrührigen Pamphleten gegen die venezianische Nobiltà wurde er jedoch wieder verbannt. Nach einer zweiten Odyssee quer durch den Kontinent lernte er 1784 in Wien den Grafen Joseph Karl von Waldstein kennen, der ihn mit auf das Schloss Dux in Böhmen nahm – und ihm dort die Leitung der Bibliothek übertrug. Man ist geneigt zu sagen, Casanova kam zu diesem Beruf wie die Jungfrau zum Kinde, dies verbietet jedoch in diesem Zusammenhang wohl der gute Geschmack. Dieser Zufall bedeutet aber nicht, dass er den Bibliotheksberuf nicht ernst nahm: Neben Beschwerden über kalten Kaffee und miserable Makkaroni, ging er auch schon mal den Grafen wegen ohne Absprache aus dem Regal entnommener Bücher an. Schloss Dux war dann auch die letzte Station im Leben des Giacomo Casanova, hier starb er am 04. Juni 1798. Vorher aber arbeitete er noch an seiner Legende – er legte zwar nicht gerade in Don-Giovanni-Manier einen systematisierten Katalog seiner Eroberungen an, hielt sie aber dennoch minutiös in seinen Memoiren fest. So detailreich, dass die erste deutsche Ausgabe von 1821 nur in zensierter Version erschien.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Giacomo_Casanova

Bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Casanova_ritratto.jpg

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