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Hier berichten wir von den großen und kleinen Erlebnissen unserer Ausbildungsreise – von Exkursionen in alte und neue Bibliotheken, von Studienfahrten und Praktika in fernen und nicht ganz so fernen Städten, von Vorträgen, Konferenzen und natürlich dem Studienleben in München.

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Zwei Leben für eine Sammlung - von Parish Kostümbibliothek

Avatar of Student/in Student/in | 05. Juli 2023 | Führung | Bibliothek



Arbeitszimmer der von Parish Damen

Am Montag den 03.07 hat sich rund die Hälfte des Kurses 21/24 eigenständig zu einer Führung der von Parish Kostümbibliothek zusammengefunden und der Besuch war es auch wert. Die Spezialbibliothek gehört zum Teil des Münchner Stadtmuseums und erfährt finanzielle Unterstützung von der Fördergesellschaft Von Parish-Gesellschaft.

Die außergewöhnlich umfassende Sammlung an bildlichen Darstellungen und Texten zu Bekleidung und Mode aus allen Epochen und Ländern ist von Hermine von Parish Senior (1881-1966) begründet worden. Inspiriert von der zerstreut gegangenen Sammlung ihres Großvaters, kaufte sie weltweit Modeliteratur und Zeitschriften ein und trug dabei den Großteil ihrer großväterlichen Sammlung wieder zusammen und noch vieles mehr.

Hermine (Senior) mit Ehemann Edmund von Parish
(Hermine (Senior) mit Ehemann Edmund von Parish)
Modegrafiken

Als ihr Ehemann verstarb, kaufte sie mit dem Erbe das vom Architekten Franz Rank erbaute Haus in Nymphenburg und ist 1936 mit ihrer Tochter Hermine von Parish Junior (1907-1998) und mit der Sammlung dort eingezogen.

Nymphenburger Haus
Eingangssaal

Für ein Einkommen starteten die Frauen eine Manufaktur für Trachten- und Kostümpuppen, welche sie dann später verkauften. Um als alleinwohnende Frauen nach dem Krieg gefestigter zu sein, gründeten Mutter und Tochter 1946 die im Haus betriebene „Von Parish Schule für freie und angewandte Kunst“, diese wurde auch noch bis 1977 von Hermine von Parish Junior nach dem Tod ihrer Mutter weitergeführt.

Puppen aus der Manufaktur
Dokumentation zur Hutmode
Modezeitschrift

Nun ein paar Zahlen: der Bestand der Sammlung beträgt heute 10.000 Bücher über fünf Jahrhunderte hinweg, 40.000 Kupfergrafiken, 30.000 Modefotografien, 2.000 Zeitschriftenbände und mit noch aktuell ~30 laufenden Zeitschriften wächst die Sammlung weiterhin.

Ein besonderer Fokus liegt auch auf die 1,5 Millionen Dokumente, welche Abbildungen aller Art mit kulturhistorischem Zeugnischarakter, Zeitungsartikel, Bildpostkarten oder Schnittmuster und auch "Graue Literatur" umfassen, damit zählt sie zu den zehn größten Kostümbibliotheken weltweit. In Deutschland kann sich noch die Berliner Lipperheidesche Kostümbibliothek mit ihr messen.

Hermine von Parish Junior im Arbeitszimmer

Hermine von Parish Junior hat in dem Haus gewohnt und die Sammlung gepflegt bis zu ihrem eignen Tod im Jahr 1998. Ohne Nachfahren vermachte sie die Sammlung dem Stadtmuseum und setzte auch die Auflage, dass die Sammlung an das Haus geknüpft ist. So wird auch in Zukunft noch die Kostümbibliothek in der hübschen Jugendstilvilla im Landhausstil für Besucher zugänglich sein. 2019 wurde sie für Restaurierungsarbeiten geschlossen und bis zur Wiedereröffnung 2022 auf den Originalzustand vom Baujahr 1901 zurückgeführt.

Genutzt wird die Bibliothek vermehrt von Filmpersonal für authentische Modedarstellungen, Bühnenbildner*innen und natürlich von Studierenden von Modeschulen.

Wer sie für Recherchezwecke besuchen möchte, kann dies nicht kostenlos tun. Je nach entstehendem Arbeitsaufwand für die Bereitstellung der Materialien wird ein Betrag berechnet, der in der Regel aber sehr überschaubar ist.

Die Medien werden aktuell in den Bayerischen Verbundkatalog eingepflegt und bei der Gelegenheit wird die Systematik im Haus aktualisiert. Signaturen gibt es nicht, aber es wird noch fleißig ein Zettelkatalog gepflegt der für Ordnung sorgt.

Hinter die Kulissen der Lagerung oder in die moderner ausgestatteten zwei Lesesäle konnten wir im Rahmen der Führung keinen Blick reinwerfen, hier würde sich vermutlich eine Führung im Rahmen des Studiums anbieten.

Die 2 ½ Stellen teilen sich eine Vollzeit-Bibliothekarin und Kunsthistoriker*innen. Digitalisierung bleibt erstmal auch noch ein Wunsch für die Zukunft, denn aktuell fehlen einfach die Arbeitskräfte.

Wer beim Dachboden ausmisten über alte Modedrucke oder Bücher stolpern sollte, kann sich jederzeit gerne an die Bibliothek wenden. ;)

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1 Kommentar(e)

Person |

11. Juli 2023

Ein toller Beitrag über eine richtig spannende Spezialbibliothek. Vielen Dank für das darauf aufmerksam machen. =)