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Hier berichten wir von den großen und kleinen Erlebnissen unserer Ausbildungsreise – von Exkursionen in alte und neue Bibliotheken, von Studienfahrten und Praktika in fernen und nicht ganz so fernen Städten, von Vorträgen, Konferenzen und natürlich dem Studienleben in München.

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Adventskalender (13): Dirk, der Doktorand

Avatar of Student/in Student/in | 13. Dezember 2022 | Adventskalender



Dirk, der Doktorand

An manchen Tagen ist sich Dirk nicht sicher, ob die Promotion die beste oder die schlechteste Entscheidung seines Lebens war.

Er hatte sich gerade auf den Weg zur Bibliothek machen wollen, um Bücher seiner mehrseitigen Forschungsliteraturliste auszuleihen, als eine dringende Mail in seinem Online-Postfach erschien.

Die Bibliothek ermahnte ihn (mal wieder), ein seit zwei Monaten überfälliges Buch "umgehend, am besten noch heute" zurückzubringen. Ansonsten sähen sie sich gezwungen, Dirks Ausleihkonto bis zur Rückgabe für weitere Ausleihen zu sperren. Oh, schlechtes Timing, hatte er heute doch eigentlich darum bitten wollen, sein Ausleih-Kontingent zu erhöhen. Immerhin musste er als Angehöriger der Universität (fast) keine Mahngebühren zahlen, ansonsten hätte er schon sein halbes Vermögen der Bibliothek vermacht.

Da das Einzige, das Promovierende mehr brauchten als Kaffee eben Literatur war, blieb ihm nichts anderes übrig als der Mahnung der Bibliothek entgegenzukommen und sich in seinem Büro auf die Vermisstensuche zu machen. Es brauchte fast eine halbe Stunde, bis er das besagte Buche in einem seiner Bücherregale fand - in zweiter Reihe auf dem untersten Regalbrett, das sich schon verdächtig unter dem Gewicht der Bücher verbogen hatte. Zum Glück besaß sein PC weitaus mehr Kapazität für seine Forschungsliteratur, doch die Übersicht über die unzähligen e-Books und Artikel, die er sich bei jeder Gelegenheit runterlud, hatte er hier ebenso verloren wie die Ordnung in seinem Bücherregal.

Nach seiner Suchaktion lagen die restlichen Bücher nun auch noch quer im Mitarbeiterbüro verstreut. Doch er hatte keine Zeit, für Ordnung zu sorgen. Eine Literaturliste musste abgearbeitet und eine Menge Bücher ausgeliehen werden. Also machte er sich umgehend auf dem Weg in die Universitätsbibliothek, das gemahnte Buch in der einen und einen leeren Bibliothekskorb in der anderen Hand. Der Korb hätte die Räumlichkeiten der Bibliothek eigentlich nicht verlassen dürfen, doch er hatte bei seinem letzten Gang in die Bibliothek mehr Bücher ausgeliehen als er in seinen Armen unfallfrei ins Büro hätte zurücktragen können. Dirk war sich außerdem sicher, dass der Korb auch dieses Mal wieder mit zurückkommen würde - gefüllt bis zum Rand.

Er hatte noch so viele Titel zu lesen, doch jedes Mal, wenn er mit einem Titel fertig war, ergaben sich durch Verweise und Literaturverzeichnisse noch weitere Aufsätze und Monographien, die er noch lesen sollte. Seine "Noch zu lesen"-Liste wuchs so unaufhörlich an - und das schneller als er sie abarbeiten konnte. Auch heute huschte er also gestresst durch die Regalreihen und füllte seinen Korb mit neuer Literatur. Unerwarteterweise reichte ihm jedoch schon nach Kurzem der Korb nicht aus, um alle Bücher, die er „sofort benötigte und lesen würde“, zu tragen, sodass er auf seinem Weg zum Verbuchungsautomaten auf dem anderen Arm mehr schlecht als recht weitere Bücher balancieren musste. Zum Glück können die RFID-Scanner ganze Bücherstapel gleichzeitig erkennen!

Und dann fehlte nur noch der Gang nach Canossa… ähm zur Ausleihtheke.

Die Bibliothekarin strafte ihn kurz mit einer heraufgezogenen Augenbraue und einem vielsagenden Blick, als er das überfällige Buch auf die Theke legte. Schweigend verbuchte sie es zurück, sah in ihren PC und seufzte schließlich tief: "Und wie sieht's mit den 16 anderen, gemahnten Büchern aus?"

 

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Typischer Satz: „Das Buch muss ich noch lesen - und das Buch, und das Buch, und das Buch…“

 

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