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Hier berichten wir von den großen und kleinen Erlebnissen unserer Ausbildungsreise – von Exkursionen in alte und neue Bibliotheken, von Studienfahrten und Praktika in fernen und nicht ganz so fernen Städten, von Vorträgen, Konferenzen und natürlich dem Studienleben in München.

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Adventskalender (11): Thomas Tourist

Avatar of Student/in Student/in | 11. Dezember 2022 | Adventskalender



„In crimine flagranti! Es tut mir leid, werter Herr, aber Zutritt zu diesem Bereich der Bibliothek ist nur Mitarbeitenden und Forschenden gestattet!“ – schallte es mit forscher, aber nicht ganz unfreundlicher Stimme durch den Raum.

Vor Schreck wäre Tourist Thomas fast seine neue Spiegelreflexkamera aus der Hand gefallen. Doch für solche Fälle hat er stets vorgesorgt und den Kameragurt um den Hals gelegt. Und sollte sie ihm aus unerfindlichen Gründen einmal doch runterfallen: zumindest seine Zehen nähmen davon keinen Schaden. Erst recht nicht im Sommer, denn wozu barfuß in die Sandalen schlüpfen, wenn es weiße Tennissocken gibt?

„Ähm, äh, ich - “

Als wäre er auf frischer Tat ertappt, drehte sich Thomas – die Kamera mit nunmehr schwitzenden und zittrigen Händen umklammernd - um. Naja, zugegebenermaßen wurde er ja wirklich gerade bei einer Tat frisch ertappt. Dass ihm die Bibliothekarin soeben dasselbe auf Latein zu verstehen geben wollte, scheiterte an seinen Sprachkenntnissen. Hingegen war ihm sehr wohl klar, dass er in den prunkvollen Lesesaal für Altbestände nicht ohne weiteres reinlaufen durfte, hatte es ihm der freundliche Bibliothekar am Serviceschalter vorhin doch ausdrücklich gesagt, welche Räumlichkeiten er ohne Weiteres betreten dürfe. Nämlich alle, bis auf den Elisabethensaal. Den mit den hohen Regalen und der tollen hölzernen Empore und dem barocken Stuck und Fresken an der Decke. Dass es sich hierbei um einen Sonderlesesaal mit wertvollem Altbestand handelte, interessierte ihn nur peripher: wen kümmert schon der Inhalt der Bücher, ein gutes Foto muss her! Da sowohl bei der Lesesaalaufsicht als auch auf den Leseplätzen gerade niemand gesessen hatte, hatte er die für ihn günstige Gelegenheit wahrgenommen und sich durch den offenen Spalt der schweren eichenen Eingangstür gequetscht.

„Hat Sie niemand darauf aufmerksam gemacht, dass dieser Raum nur im Rahmen von Führungen und zu Studienzwecken zu besuchen ist?“

„Hm ähm - “, es zu leugnen hatte wenig Aussicht auf Erfolg, am Empfangsschalter unten kam ja kein Neuling ohne einen kurzen Plausch mit dem Bibliothekar vorbei, „- ja schon, aber es sollte doch nur ein Foto werden!“

Das dürfe er auch gerne schießen, aber bitte eben nur im Rahmen von Führungen. Nein, auch keine Ausnahme für ihn, sonst kämen ja Hinz und Kunz daher und würden um Sondererlaubnis fragen. Im Rahmen einer Führung lohne es sich auch wirklich, da hierfür dann auch die schönen Deckengemälde mit Scheinwerfern ausgeleuchtet würden. Mit einem Foto müsse er daher leider bis zur nächsten Führung warten.

„Aber ich erzähle Ihnen gerne etwas zur Geschichte der Altbestände!“

Oh nein, bloß nicht. Jetzt aber schnell raus hier. Das verkürzt ja nur seine wertvolle Reisezeit, so ein weitschweifendes Schwadronieren hätte ihm gerade noch gefehlt! In diese Falle war er schließlich schon einmal getappt.

„Dann doch lieber in die neue Stadtbibliothek!“, dachte er sich. Vielleicht könne er in dem schönen Kubus-Bau ein paar tolle Aufnahmen schießen. Und wenn auch noch etwas zur Selbstdarstellung dabei rausspringt: dann immer her damit!

 

rs

Meinungen?

1 Kommentar(e)

Studentin |

11. Dezember 2022

Wenn wir ehrlich sind, sind doch die meisten Touristen selbst Bibliothekare. Ich schaue mir jedenfalls in jedem Urlaub andere Bibliotheken an. :D