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Hier berichten wir von den großen und kleinen Erlebnissen unserer Ausbildungsreise – von Exkursionen in alte und neue Bibliotheken, von Studienfahrten und Praktika in fernen und nicht ganz so fernen Städten, von Vorträgen, Konferenzen und natürlich dem Studienleben in München.

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Weltkarte




Bibliotheken und Tiere - Teil 8: Tierpostkarten oder: Lesezeichen fallen manchmal doch vom Himmel

Avatar of Student/in Student/in | 24. August 2020 | Gedankensprünge, Lesestoff, Praktikum, Praktikum | Inland



Während meines zweiwöchigen Praktikums in der großartigen Stadtbücherei Augsburg war ich auch mit dem Rücksortieren von zurückgegebenen Medien beschäftigt. Die Bücher werden nach Schäden kontrolliert, gereinigt und vorsortiert. Bei jener Kontrolle fanden sich bei mir die beiden hier abgebildeten Tierpostkarten.

Zweifellos als Einmerker verwendet dienten sie in Krimis und Thrillern als bebilderte Gedächtnisstütze. Vor dem Einschlafen noch ein Kapitel – doch zu müde. Schnell! Ein Lesezeichen muss her. Oder im Zug – „Die Fahrkarten bitte!“ und wieder muss die Seite eingemerkt werden. Klar, ein Kassen- oder Einkaufszettel täte es auch, oder die Ausleihquittung. Eine Postkarte wurde zwar nicht gezielt gekauft, wie „echte“ Lesezeichen (zumindest wohl nicht als Lesezeichen), wohl aber sorgfältig ausgesucht, nach Motiv und Sympathie. Hier vor allem sticht die Tierpostkarte noch einmal heraus, und zumindest mir kamen in meiner Zeit zwar diverse Quittungen, aber keine Nicht-Tierpostkarte in die Finger.

Die eigentliche Frage ist: Warum sind sie im Buch verblieben? Wurden sie erst benutzt und dann einfach zurückgelassen? Wurden sie beiläufig vergessen oder absichtlich deponiert? Möglicherweise als kleine Aufmerksamkeit für den Bibliothekar?

 

Postkarten wurden den 1860ern als „offenes Postblatt“ erdacht. Vorreiter war 1869 Österreich-Ungarn, wo die „Correspondenz-Karte“ eingeführt und gleich 3 Millionen mal verkauft wurde. 1870 zog Deutschland nach, wobei alleine am ersten Verkaufstag in Berlin 45.000 Exemplare über den Ladentisch gingen.

Das Potential der Karten wurde sofort erkannt, und Ansichtskarten von Städten und Sehenswürdigkeiten entstanden. 1905 wurde die auch heute noch übliche Zweiteilung der Adressseite eingeführt – und machte die Bildseite komplett frei für schöne Motive.

Im Jahr 1900 wurden von der Reichspost 440 Millionen Karten verschickt, man sprach zurecht von einer Bilderflut. In der Bundesrepublik der 1950er bis 1980er waren es sogar etwa doppelt so viele, im Schnitt 900 Millionen Postkarten pro Jahr. Von da an gingen die Zahlen bergab: 1998 wurden 400 Millionen Karten verschickt, im Jahr 2017 waren es noch noch 195 Millionen.

Doch auch heute sind Bild- und Motivkarten immer noch sehr beliebt, ebenso wie Urlaubskarten, trotz Social Media. Die Karten dienen nach wie vor als Werbung für Orte, Städte und Firmen oder tragen mehr oder weniger sinnige Sprüche. Man kann sie kaufen oder bekommt sie geschenkt, als Auslage an verschiedenen Orten, wie etwa Bibliotheken.

Hier schließt sich der Kreis. Wurden die Karten gar in der Bücherei selbst vom Nutzer in Besitz genommen? Und kamen sie dann nach der Nutzung wieder in die Bücherei zurück? Beschenkten wir uns quasi über Umwege selbst?

Meine Postkarten teilen das gleiche Schicksal wie viele andere Fundkarten: Sie dienen als Wandschmuck im Praktikantenzimmer. Als Erinnerung an die Lektüre Anderer und als tierischer Lichtblick am Schreibtisch.

 

(mb)

 

Quelle:

https://www.ausstellung-postkarte.de/ (24.08.2020) Seite zur Sonderausstellung „Mehr als Worte. 150 Jahre Postkartengrüße“ des Museums für Kommunikation Berlin.

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