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Hier berichten wir von den großen und kleinen Erlebnissen unserer Ausbildungsreise – von Exkursionen in alte und neue Bibliotheken, von Studienfahrten und Praktika in fernen und nicht ganz so fernen Städten, von Vorträgen, Konferenzen und natürlich dem Studienleben in München.

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Weltkarte




Das Gewicht von Wissen

Avatar of Student/in Student/in | 17. Juni 2020 | Gedankensprünge



Hantelgewichte. Fast so schwer wie ein Bildband in Foliogröße.

Wer schon einmal in einem Bibliotheksmagazin gearbeitet hat oder mit den sog. "einschlägigen" Standardwerken – ja, ich meine euch, liebe Lexika, die ihr immer noch nicht in brauchbarer digitaler Form verfügbar seid! – zu tun hatte, weiß, wie schwer Bücher sein können. Nicht nur groß, sondern auch wirklich schwer. Vom speziellen Papier für kunstgeschichtliche Bildbände will ich noch gar nicht reden.

Im bibliothekarischen Kontext ist das jetzt keine Neuigkeit. Als Privatperson stellt man so etwas aber meist erst fest, wenn man umzieht. Dann, wenn die "normalen" Umzugskartons sich als ungeeignet herausstellen, um die gefühlten Kilometer an Büchern von der alten in die neue Wohnstatt zu verfrachten. Nur zum Teil lässt sich dieses Problem elegant umgehen, und zwar indem die Kartons nur zum Teil mit den schweren Wissensträgern gefüllt werden. Ist ja auch klar, sonst bricht der Karton! Der noch erhebliche freie Platz im Umzugskarton wird entsprechend mit "leichten" Gegenständen ausgefüllt. Es hat sich gezeigt, dass Kleidungsstücke sich dafür ganz gut eignen. So weit, so unproblematisch. Ist der Buchbestand jedoch etwas eingestaubt, bzw. hat man Skrupel, saubere Kleidung zu nicht zwangsläufig sauberen Büchern zu legen, wird die ganze Sache schon aufwendiger. Geeignete räumliche Trennung muss im Karton verbaut werden. Das kostet Zeit, Nerven und  zusätzliches Material, alles nicht so üppig in Umzugszeiten.

Die cleveren Umzugsspezialist*innen versorgen sich zu diesem Zweck zeitnah mit Obstkisten. Diese sind relativ standardisiert stapelbar. Bereits beim Wort "standardisiert" schlägt das Bibliothekarinnenherz höher. Mit etwas Papier ausgelegt oder zusätzlichem Karton sind sie die ideale Lösung für die Transportproblematik der Privatbibliothek. Wenn man beim Supermarkt um die Ecke auch freundlich fragt, bekommt man die Kisten mit etwas Glück auch ganz umsonst. So stellt man sich Recycling vor – auf die grundsätzliche Problematik des Transports von Obst und Gemüse durch die halbe Welt möchte ich an dieser Stelle jedoch nicht eingehen.

Die Medien haben jetzt also ein Bewegmedium gefunden. Das ist schön. Weniger schön ist, dass das Gewicht der Kisten, in Abhängigkeit je nach Ausstattung der Privatbibliothek (siehe Nachschlagewerke), trotzdem nicht zu unterschätzen ist. In meinem Freundeskreis muss ich bei jedem Umzug wieder große Überzeugungsarbeit leisten, denn bereits beim vorletzten Umzug hieß es quasi unisono: "Ich helfe nie wieder Geisteswissenschaftlern beim Umzug. Viel zu viele Bücher!" Auch wenn sie sich bisher bei jedem Umzug doch noch bereit erklärt haben, zu helfen, versuche ich seitdem, ihnen ihre Mithilfe zu erleichtern: Mittels Bestandsrevision und Aussonderung im Vorfeld, Versorgung mit möglichst vielen Obstkisten und einem möglichst großen und gut koordinierten Umzugsteam. Mit jedem Umzug wächst aber nicht nur der Bizeps, sondern auch der Bücherberg. Ich weiß nicht warum, aber ich denke, da gibt es einen Zusammenhang.

Müsste ich jedoch abwägen, so kann ich die Frage, was mir schwerer wiegt, das Gewicht meiner Bücher oder unsere Freundschaft, jedoch ganz eindeutig beantworten. Statiker kämen aber vermutlich zu einer anderen Einschätzung.

Meinungen?

2 Kommentar(e)

Student |

22. Juni 2020

hahaa...sehr schöner Artikel. Meine Umzugshelfer haben auch oft gejammert wegen den Büchern. Nachdem ich mir nun aber einen Steintisch zugelegt habe, wird lieber über den geschimpft =)


Jemand |

17. Juni 2020

Decken sind ebenfalls ein hervorragendes Ausweichmaterial, um den Platz auszunutzen.