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Hier berichten wir von den großen und kleinen Erlebnissen unserer Ausbildungsreise – von Exkursionen in alte und neue Bibliotheken, von Studienfahrten und Praktika in fernen und nicht ganz so fernen Städten, von Vorträgen, Konferenzen und natürlich dem Studienleben in München.

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John Rylands Library Manchester oder: Das Haus der bösen Bibel

Avatar of Student/in Student/in | 14. April 2020 | Bibliotheken | International, Praktikum | Europa



Leseplätze in der John Rylands Library

Der Textilindistruelle John Rylands war der erste Multimillionär Manchesters, ein Buchliebhaber und Philantrop. Nach seinem Tod 1888 hinterließ er seiner Frau Enriqueta ein Vermögen von mehreren Millionen Pfund, das diese nicht etwa in einen ausschweifenden Lebensstil investierte, sondern eine Bibliothek zum Gedenken an ihren Mann errichten ließ, in der Absicht, seine private Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 1889 errichtete der Architekt Basil Champneys in ihrem Auftrag in Manchesters heutigem City Center ein Neo-Gotisches Gebäude, das in seinem Stil an eine Kirche erinnert – von der Auftraggeberin durchaus beabsichtigt, denn die Sammlung, die darin untergebracht werden sollte, bestand vor allem aus theologischen Werken. Die Baukosten beliefen sich zum heutigen Wert auf etwa 60 Millionen Pfund, allerdings handelte es sich bei dem Gebäude auch um eines der modernsten in Manchester, ausgestattet mit Elektrizität und einer Luftfilteranlage. Am 01. Januar 1900 erhielt die Öffentlichkeit Zugang zur Bibliothek.

Seit 1972 ist die John Rylands Library Teil der University of Manchester und beherbergt eine der kostbarsten Buchsammlungen der Welt. Die Sammlung wuchs über die Jahre immer weiter an und besteht heute aus über 250.000 Drucken und über einer Million Handschriften. Zu ihren besonderen Schätzen zählen eine Gutenberg Bibel, mittelalterliche Handschriften, eine Erstausgabe von Shakespeares Sonetten sowie das Johannes-Fragment – das älteste neutestamentliche Bibelfragment der Welt.

Das wohl berüchtigste Objekt in der Sammlung der John Rylands Library ist jedoch ausgerechnet eine Bibel. In der sogenannten „Wicked Bible“, 1631 herausgegeben von Robert Barker und Martin Lucas, wurde in den Zehn Geboten beim sechsten Gebot das Wort „nicht“ vergessen. So lautet die Weisung nun: „Du sollst die Ehe brechen“. König Charles I, in dessen Dienst die beiden Herausgeber standen, war über diese Neuinterpretation „not amused“ und entzog ihnen kurzerhand die Drucklizenz.

Wie es sich für ein echtes viktorianisches Gebäude gehört, wird es natürlich von Gespenstern heimgesucht. Vielleicht sind es die Geister der beiden unglücklichen Herausgeber der „Wicked Bible“, deren Fehler ihnen auch nach ihrem Tod keine Ruhe lässt ...

Ein Besuch lohnt sich also - der Eintritt ist frei.

Ein großer Teil der Sammlung der John Rylands Library ist zudem bereits digitalisiert und wird online in verschiedenen Kollektionen gezeigt: https://luna.manchester.ac.uk/luna/servlet/allCollections

Isabella Grill

 

Quellen: eigene Aufzeichnungen sowie  https://www.library.manchester.ac.uk/rylands/

Fotos: Wikimedia Commons

 

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