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Hier berichten wir von den großen und kleinen Erlebnissen unserer Ausbildungsreise – von Exkursionen in alte und neue Bibliotheken, von Studienfahrten und Praktika in fernen und nicht ganz so fernen Städten, von Vorträgen, Konferenzen und natürlich dem Studienleben in München.

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(Bibliotheks-)Liebe in den Zeiten von Corona - Versuch eines Überblicks

Avatar of Student/in Student/in | 21. März 2020 | Bibliotheken | International, Bibliotheken | Deutschland, Fachliches



(Bibliotheks-)Liebe in den Zeiten von Corona - Versuch eines Überblicks

Noch schnell den Lieblingsroman von Gabriel García Marquez ausleihen, das ist nun kaum noch möglich. Auch die Bibliothekswelt wird von der Coronavirus-Welle überrollt. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind nahezu sämtliche öffentliche und wissenschaftlichen Bibliotheken in den vergangenen zehn Tagen für den Publikumsverkehr geschlossen worden, Orts- und Fernleihe sind nicht mehr möglich, zahlreiche Services wie Anmeldung und Dokumentlieferdienste werden in den meisten Fällen nicht mehr geleistet, Veranstaltungen und Schulungen fallen aus. Die von bibliothekarisch.de initierte Aufstellung aktuell geschlossener Bibliotheken zeigt nur die Spitze des Eisbergs.

Die Bibliotheken der Medizinischen Hochschule Brandenburg scheinen nach einer kurzen Internetrecherche unter den ganz wenigen noch (eingeschränkt) zugänglichen Bibliotheken in Deutschland zu sein – Stand 21. März.

In zahlreichen Ländern Europas und der Welt herrscht ebenfalls teilweise oder vollständig „library shutdown“. Die für nächste Woche geplanten Eröffnungen der Hayden Library der Arizona State University wie auch der neuen Osloer Zentralbibliothek Bjørvika wurden auf unbestimmte Zeit verschoben.

Und jetzt? - Änderungen für NutzerInnen

Viele Bibliotheken begannen unmittelbar nach der Schließung mit organisatorischen und serviceorientierten Änderungen. In der Regel wurden Ausleihen und Bibliotheksausweise automatisch verlängert und Mahngebühren ausgesetzt. Die Universitätsbibliotheken Basel, Bern und Zürich versenden nun ihre Bücher per Post zum reduzierten Tarif von 5 Franken.

Ein weiteres Beispiel bietet die Stadtbibiliothek Aachen: dort wird ein Rechercheservice für SchülerInnen angeboten, die Arbeiten oder Prüfungen vorbereiten müssen und keinen Zugang zu Literatur haben. Mitarbeiter der Bibliothek recherchieren für sie und senden das Ergebnis als Scan oder Link per Mail.

Zudem bewerben viele Bibliotheken unter dem Stichwort „Online geöffnet“ verstärkt den Zugriff auf lizenzierte E-Medien. Dank der Zusammenarbeit mit kulanten Verlagen und verstärkten kurzfristigen Lizenzierungen können gerade im Bereich der wissenschaftlichen Bibliotheken für einen begrenzten Zeitraum mittlerweile auch darüber hinaus mehr E-Books und E-Journals angeboten werden.

Auch die bibliothekarische Fachzeitschrift BuB hat sich entschlossen, die aktuelle Ausgabe kostenlos für Benutzer der entsprechenden Zeitschriften-App anzubieten. Nicht fehlen darf an dieser Stelle natürlich der Hinweis auf unzählige digitale Sammlungen, wie die Deutsche Digitale Bibliothek und die Open Library.

Als Ersatz für nicht mehr mögliche Benutzerschulungen bietet die TIB Hannover täglich ein Webinar für Hochschulangehörige an.

Einige Bibliotheken, wie die Bayerische Staatsbibliothek und die Stadt- und Landesbibliothek Dortmund, sind dazu übergegangen, vorläufige Nutzerausweise (mit E-Medien-Zugang) gegen Zusendung eines Scans des Personalausweises auszustellen.

Und jetzt? - Änderungen für Bibliotheken und BibliothekarInnen

Auch bibliothekarische Fachveranstaltungen, Tagungen und Messen fallen angesichts der Krise aus. Neben der Leipziger Buchmesse, die Mitte März geplant war, wurden auch die LIBER-Jahrestagung 2020 und die OCLC Library Futures Conference abgesagt, die LIDA (Libraries In a Digital Age) 2020 wurde auf 2021 verschoben. Die Open Science Conference, die vor wenigen Tagen in Berlin stattfand, wurde vorzeitig abgebrochen.

Die IFLA hält vorläufig an der Ausrichtung des Weltkongresses im August in Dublin fest, ebenso wie VDB und BIB, die den 109. Deutschen Bibliothekartag nach aktuellem Stand Ende Mai in Hannover stattfinden lassen wollen – auch wenn der Druck auf die Organisatoren steigt.

Derweil üben sich Unterhaltsträger und Direktionen in Geduld und versuchen, so viele Mitarbeiter wie möglich ins Homeoffice zu schicken. Viele Beschäftigte, die Kinder betreuen müssen, sind zudem nun zuhause.

Auf Grund sich abzeichnender starker Einbußen in der Wirtschaft haben Bundes- und Landesregierungen betroffenen Firmen bereits milliardenschwere Unterstützung zugesagt. Welche mittelfristigen Auswirkungen sowohl diese zusätzlichen Ausgaben als auch zu erwartende Steuerausfälle auf die Etats von Bund, Ländern und Kommunen haben werden, ist im Augenblick noch nicht absehbar. Wird sich diese finanzielle Situation auch auf die Etats der von ihnen finanzierten Hochschulen, Landes- und Stadtbibliotheken auswirken, auf ihren Medien- und Personaletat, und wenn ja, wie ? Hier mag im Moment wohl niemand eine Prognose wagen.

(ag)

(Bildnachweis: TeWeBs, via Wikimedia Commons)

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