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Malen und Schreiben wie im Mittelalter

Avatar of Student/in Student/in | 03. Januar 2020 | Fachbereich



Am letzten Unterrichtstag vor dem Weihnachtsurlaub, dem 19.12.2019, bekam der Kurs 18/21 die Chance, einen Blick der besonderen Art in die Vergangenheit zu werfen: der Kalligraph und (Buch-)Maler Jörg Schwarzenbach besuchte uns und brachte uns in einem kleinen Workshop anschaulich sein Metier näher.

Zunächst folgte ein theoretischer Überblick über die Geschichte des Buches, seiner Herstellung und über die Entwicklung der Schrift. Angefangen bei den Sumerern über die Ägypter, Phönizier, Griechen und Römer bis ins Mittelalter illustrierte er uns anhand von Beispielen und Anschauungsmaterial die Entwicklung der verschiedenen Beschreibstoffe (Papyrus, Wachstäfelchen, Pergament und Hadernpapier) und der zugehörigen Schreibgeräte und -techniken. Auch die Schriftgeschichte konnte er uns näherbringen, besonders die von den Römern entwickelten Capitalis-Schriften sowie die karolingische Minuskel. Letztere entstand um 800 unter Karl dem Großen, der diese Schrift im Zuge seiner karolingischen Bildungsreform einführte. Seit der Renaissance bilden die Capitalis als Groß- und die Karolingische Minuskel als Kleinbuchstaben die Schriftfamilie der Antiqua, welche auch heute noch die Grundlage unserer Druckschrift ist.

Ein zweiter Schwerpunkt lag auf der Buchmalerei, der dazu nötigen Geräte und vor allem der Farbe. Auch hierfür hatte uns Herr Schwarzenbach Beispiele mitgebracht: Farben aus Tonerde wie Ocker; aus Halbedelsteinen wie das aus Lapislazuli gewonnene Ultramarin; pflanzenbasierte Farben wie Indigo und Drachenblut; und Farben tierischen Ursprungs, wie das von Läusen gewonnene Karminrot oder Purpur, welches aus den Purpurschnecken stammt. Bedauerlicherweise war kein echter Purpur darunter, doch hatten wir angesichts des stolzen Preises von etwa 2.000€ pro Gramm dafür natürlich Verständnis.

Im Anschluss an diesen kurzen Überblick begann der aktive Teil des Workshops, in dem wir nun selbst ausprobieren konnten. Zuerst durften wir unsere eigene schwarze Rußtinte herstellen, nämlich aus Wasser, Ruß, Gummi Arabicum und Ochsengalle. Die letzten beiden Ingredienzien fungieren hierbei als Bindemittel, da der Ruß sich sonst nur sehr schlecht mit dem Wasser vermischt. Mit der fertigen Tinte und von Herrn Schwarzenbach bereitgestellten Gänsefedern und Holzpulten übten wir uns im Schreiben der karolingische Minuskel und der Unziale. Auch beim Malen durften wir unsere Kreativität unter Beweis stellen und entweder nach Vorlage Initialen abmalen oder unsere eigenen Kunstwerke entwerfen – wobei die Farbe auch hier stilecht und unter Anleitung selbst in kleinen Muscheln zusammengerührt wurde.

Dieser kleine Ausflug in die praktische Arbeit der mittelalterlichen Schreiber und Buchmaler ergänzte sehr schön die theoretischen Beobachtungen, die wir erst kürzlich an unserem Nachmittag in der BSB machen konnten. Wir danken Herrn Schwarzenbach für diesen tollen Workshop, der uns allen viel Spaß gemacht hat! Es war ein gelungener Start in die Weihnachtszeit.

(amd+vk)

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