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Hier berichten wir von den großen und kleinen Erlebnissen unserer Ausbildungsreise – von Exkursionen in alte und neue Bibliotheken, von Studienfahrten und Praktika in fernen und nicht ganz so fernen Städten, von Vorträgen, Konferenzen und natürlich dem Studienleben in München.

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Die Sorgen und Stärken von 84 Blauwalen

Avatar of Student/in Student/in | 22. Oktober 2019 | Bibliotheken | Deutschland, Studienfahrt, Führung | Bibliothek



Die heiligen Hallen - das Magazin in Frankfurt

oder: #Library Tourism in Frankfurt – die DNB

Ich wage mal zu behaupten, wenn Bibliothekare verreisen, sind sie mit den Gedanken weniger beim schönen Wetter am Zielort als bei der Frage, welche Bibliothek man dort mal besuchen könnte. Im Rahmen meines kürzlichen Besuchs der Frankfurter Buchmesse ließ ich es mir also nicht nehmen, mal bei der Deutschen Nationalbibliothek vorbeizuschauen.

Gegründet in Leipzig, und präsent an zwei gleichwertigen Standorten in Frankfurt und Leipzig, ist die Deutsche Nationalbibliothek gleichsam das kulturelle und wissenschaftliche Gedächtnis der Nation. Sie sammelt alle Literatur seit 1913, die in Deutschland veröffentlicht wurde – aber auch deutschsprachige Literatur aus dem Ausland, Übersetzungen deutscher Werke und Veröffentlichungen über Deutschland und deutsche Persönlichkeiten (Germanica), und das nicht nur gedruckt, sondern auch in Form von E-Books, Zeitschriften und Zeitungen, CDs, Schallplatten, Karten, Noten, und seit 2006 auch Webseiten – 1.100 Webseiten werden so regelmäßig archiviert. Es gibt also (fast) nichts, was nicht gesammelt wird. So stehen im Frankfurter Lesesaal altehrwürdige Enzyklopädien vom Anfang des 20. Jahrhunderts gegenüber einem halben Regal voller aktueller Telefonbücher.

Dank der Pflichtablieferung, nach der jeder Verlag zwei Exemplare jeder Veröffentlichung bei der DNB abliefern muss, summiert sich der Medienbestand mittlerweile auf 20 Millionen Datensätze oder 38 Millionen Exemplare. Ausgehend von einer Schätzung der Nationalbibliothek im Jahr 2012 dürfte das heute etwa 11.800 Tonnen oder 84 Blauwalen entsprechen, die gewichtsmäßig an den beiden Standorten Frankfurt und Leipzig lagern!

Beim Besuch und einer Führung durchs Haus bekam ich den Eindruck, dass auf Grund der besonderen Rolle als DIE Archivbibliothek Deutschlands der Bestandsschutz eine große Rolle spielt. Das spiegelt sich auch in den Nutzungsbedingungen wider. Zwar ist die Bibliothek grundsätzlich für jeden ab 18 Jahren offen, Medien können aber nicht ausgeliehen werden, sondern nur auf Bestellung vor Ort im Lesesaal eingesehen werden. Auch müssen Wasserflaschen draußen bleiben.

Gleichzeitig steht die Bibliothek der Tatsache gegenüber, dass sie an ihren Standorten immer weniger genutzt wird: die Zahl der Nutzer ist in den vergangenen Jahren um 25% gesunken, die Zahl der Bestellungen hat sich gar halbiert (vgl. Jahresberichte 2010-2018). Eigentlich schade für eine Bibliothek mit so viel Potenzial, und trotz hochwertiger Einrichtung, Infrastruktur und personeller Organisation! Das muss hier betont werden.

Ist die DNB als Arbeits- und Lernort unattraktiv? Schreckt der Tageseintritt von 6€ für die Benutzung ab und sollte gesenkt werden? Weichen die Nutzer einfach immer mehr auf Onlineressourcen anderer Bibliotheken aus, die sie ortsunabhängig konsultieren können? Ist der Bestand der DNB in den Verbundkatalogen zu wenig sichtbar, so dass Benutzer an ihrer Heimatuniversität oder Staatsbibliothek gar nicht auf die Idee kommen, auch mal im Bestand der Nationalbibliothek zu recherchieren? Sollte man eine Zonierung des allgemeinen Lesesaals vornehmen, und auch größere informelle Bereiche sowie Gruppenarbeitsplätze und Carrels schaffen, um Nutzer zurückzugewinnen? Oder sollte man die Grenzen zwischen wissenschaftlicher und öffentlicher Bibliothek sprengen, um ganz neue Nutzergruppen zu gewinnen?

Gar nicht so einfach, das zu beantworten. Da ist es toll, dass die DNB in Kürze zum Nutzer-Workshop lädt. Wer also am 19. und 26. November noch nichts vor hat und nach Frankfurt kommen kann, dem sei herzlich die Teilnahme empfohlen. Unter dem Motto „Planen Sie Ihren Lieblingsort in der Bibliothek!“ werden gemeinsam Ideen für den „Lesesaal der Zukunft“ entwickelt. Belohnt wird die Teilnahme mit einer Jahreskarte für die Deutsche Nationalbibliothek.

Wir sind sehr gespannt auf die Ergebnisse!

P.S.: Ein großes Danke an dieser Stelle auch an die drei sehr netten Mitarbeiterinnen der DNB auf dem Stand der Buchmesse, die sich meinen Fragen geduldig stellten und mir Interessantes zur Gemeinsamen Normdatei und Katalogisierung erzählen konnten!

(ag)

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