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Hier berichten wir von den großen und kleinen Erlebnissen unserer Ausbildungsreise – von Exkursionen in alte und neue Bibliotheken, von Studienfahrten und Praktika in fernen und nicht ganz so fernen Städten, von Vorträgen, Konferenzen und natürlich dem Studienleben in München.

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Sind Frisöre die besseren Bibliothekare?

Avatar of Student/in Student/in | 29. Januar 2019 | Vortrag | Bibliothek



Am 21.01.19 besuchte Frau Monika Schade (Stellvertretende Bibliotheksleitung der Freien Universität Berlin) unseren Fachbereich und beleuchtete mit uns das Thema „Schlaglichter auf das Bibliothekswesen im frankophonen Afrika“.

Zu Beginn ihres Vortrags betonte sie, welche großen Unterschiede zwischen den franko- und anglophonen Teilen Afrikas bestehen, was die allgemeine Situation von Bibliotheken betrifft.

Zudem existieren im frankophonen Afrika neben Französisch als Verkehrssprache etwa 700 lokal gesprochene Sprachen, was den Aufbau eines homogenen Bibliothekswesens neben politischen Krisen, Naturkatastrophen und Epidemien besonders schwierig macht. Dies führt zwangsläufig dazu, dass solche Bibliotheken weniger im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankert sind, was ihre Betrachtung aber umso interessanter macht.

Die frankophonen Länder haben alle gemein, dass ihre Nationalbibliotheken bald nach dem Ende der Kolonialzeit gegründet wurden, häufig auch, um die Aufgaben eines nationalen Archivs zu übernehmen. Sofern nicht koloniale Bestände übernommen werden konnten, gestaltet sich der Bestandsaufbau allerdings als besondere Herausforderung, da zum einen die Pflichtabgabegesetze nicht konsequent umgesetzt werden, zum anderen kaum Etat für Neuerwerbungen zur Verfügung steht, weshalb Schulbücher, Behördenschriften sowie Geschenke (mit bisweilen zweifelhaftem Nutzen für die Allgemeinheit) einen Großteil der Bestände der Nationalbibliotheken ausmachen. Entsprechend schwierig gestaltet sich auch die Erstellung vollständiger und aktueller Nationalbibliographien (die aktuellste stammt aus Côte d’Ivoire aus dem Jahr 2011), sofern sie nicht wie in Guinea bereits eingestellt wurden.

Um der geringen Alphabetisierungsrate entgegenzuwirken, unterstützen die Nationalbibliotheken aktiv die öffentlichen Bibliotheken der jeweiligen Länder oder übernehmen selbst deren Aufgaben. Besonders engagiert ist Côte d’Ivoire, die mit ihrem Projekt „L'opération Femmes et Lecture“ Frisörsalons mit Literatur versorgen, um besonders Frauen die Möglichkeit zu Lesen zu geben. Diese Unterstützung haben die öffentlichen Bibliotheken auch nötig, da deren Ausstattung trotz Förderung durch diverse Institutionen, insbesondere Lire en Afrique und CLAC, aber auch Kirchen und Privatpersonen, sehr mager ist. So sind sie ebenfalls mangels Budget auf Spenden angewiesen. Auch das für uns selbstverständliche Internet kann von kaum einer Bibliothek als Service zur Verfügung gestellt werden, was auch an der, wenn überhaupt vorhandenen, unzuverlässigen Stromversorgung liegt. Dies führt dazu, dass sich die öffentlichen Bibliotheken untereinander vernetzen, wobei Mali mit 64 vernetzten Bibliotheken hier Vorreiter ist. Durch Projekte wie dem street-CLAC in Kameruns Hauptstadt Yaoundé wird auch von Seiten der öffentlichen Bibliotheken versucht, insbesondere Kinder und Jugendliche weiter zu alphabetisieren, welche das Angebot begeistert annehmen.

Die Universitätsbibliotheken sind im frankophonen Teil Afrikas nicht so zahlreich vertreten wie die öffentlichen Bibliotheken, haben aber naturgemäß mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Der Zugang zum Internet, ohne den Studium und Forschung heute kaum mehr vorstellbar sind, ist häufig nur eingeschränkt möglich, sei es wegen politischer Gründe oder mangelnder Stromversorgung. Jedoch sind die Universitätsbibliotheken im allgemeinen etwas besser ausgestattet als die öffentlichen Bibliotheken, etwa das Personal betreffend, das sich nicht nur aus freiwilligen Helfern sondern meist aus ausgebildeten Bibliothekaren zusammen setzt. Als positives Beispiel lässt sich die zugleich älteste Bibliothek des frankophonen Afrika hervorheben, die 1957 gegründet wurde und sich in Dakar befindet. An der Cheikh Anta Diop University lernen etwa 50.000 Studierende und erhalten dort Zugriff auf einen Bestand von etwa 500.000 Medien. Zu erwähnen ist außerdem das integrierte Bibliotheksverwaltungssystem, welches die Universitätsbibliothek für ihre tägliche Arbeit verwendet.

Ein weiteres Beispiel, das ein positives Licht auf die Entwicklung der Bibliotheken im frankophonen Afrika wirft, ist die Universität Yaoundé in Kamerun, die ihren Studenten Zugang zu Open Access Dokumenten und Nutzerschulungen zu diesem Thema bietet.

Was die Ausbildung zum Bibliothekar betrifft, sind verschiedene Möglichkeiten geboten. Sie kann beispielsweise an der EBAD (Ecole des Bibliothécaires, Archivistes et Documentalistes) in Dakar erfolgen, einer Bibliotheksschule auf universitärem Niveau mit Absolventen aus 26 verschiedenen afrikanischen Ländern. Dazu bietet jedes frankophone Land Afrikas einen eigenen bibliothekswissenschaftlichen Studiengang an, wobei mit dem Abschluss Diplome Spéciale auch promoviert werden kann.

Der Vortag von Frau Schade war für uns sehr aufschlussreich, behandelte er doch ein Thema, das im Unterricht kaum bis keine Erwähnung findet. Wir haben einen Einblick in die Arbeit, die täglichen Herausforderungen und Probleme erhalten, welchen Bibliotheken im frankophonen Afrika gegenüberstehen, aber auch erfahren, dass sich mit Einfallsreichtum und Engagement viele Hürden meistern lassen.

Meinungen?

1 Kommentar(e)

Human |

12. Februar 2019

Merci für die interessante Beschreibung!